Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 9 (September 1909)
- Article
- Trier
- Date
- 1909-09-01
- Page
- 520 (sequence 2)
- Language
- German
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520 Im deutschen Reich. nahm, daß die beiden Mädchen noch heute von der Wahnidee befangen seien, der Handelsmann habe ihre Kühe behext. Hst Vcrö Mergentheim, 1. Aug. Der Central-Verein -deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Ortsgruppe Mergentheim, hat hier im Gasthof Eschenbach am 27. Juni d. Js. eine schön verlaufene Versammlung abgehalten, welche sowohl von hier wie von den Orten Edelfingen, Laudenbach, Weikersheim, Niederstetten und Wachbach gut besucht war. Auch Las zarte Geschlecht hatte sich zahlreich eingefunden. Der Vertrauensmann des Central-Vereins Herr Or. Kalla er, der die Versammlung in vorzüglicher Weise vorbereitet hatte und ebenso trefflich leitete, begrüßte die Erschienenen, insbesondere den aus Stuttgart gekommenen Redner, den Vorstand des württemb. Landesverbands Herrn Dr. med. F e l d m a n n , Stuttgart. Der Vorsitzende zeichnete dann in einigen Umrissen den Zweck des Vereins und erteilte hierauf.'Herrn Dr. Feldmann das Wort zu dessen Vortrag: San m bleibe n w i r eigentlich Juden? Der logisch dnrchgeführte Vortrag, der auf die Anwesenden den günstigsten Eindruck machte und an vielen Stellen vom Beifall der Lauschenden unterbrochen wurde, basierte auf folgenden Sätzen: Die vielen Zurücksetzungen im öffentlichen wie int privaten Leben, die vielen Nachteile, die wir erfahren, legen uns die Frage nahe, warum wir eigentlich Juden bleiben. Hierauf müssen ioir antworten, daß wir Juden bleiben erstens im Hinblick auf unsere glorreiche Vergangenheit, im Hinblick auf unsere Geschichte. Als den Trägern der monotheistischen Idee ist uns die Mitwelt Dank und Anerkennung schuldig. 3U dieser monotheistischen Idee bekannten wir uns, als die Welt noch im Liefen Dunkel des Un- und Aberglaubens' befangen war. Unsere religiösen Vorschriften, so alt sie sind, so bewunderungswürdig lösen sic Probleme des privaten und gesellschaftlichen Lebens, unsere Literatur ist reich an geistvollen und lyrischen Erzeugnissen, die kaum übertroffen werden; viele haben nur deshalb keinen wahren Genuß hiervon, weil sie diese erfrischenden Brunnen nicht kennen. Die Geschichte der Makkabäer, der Aufstand des Bar-Kochba zeigt, daß wir auch als iricfitf)renbe^ Volk manches Ruhmesblatt in der Geschichte beanspruchen dürfen. Aber auch in Hinblick auf die Gegen w a r t gebietet es uns unsere Ehre, treu bei der