Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 9 (September 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-09-01
- Page
- 496 (sequence 2)
- Language
- German
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"49b " ” "'" Jmdeütjcyen Mrcy7 "~™' Widerspruch der Regierung und unter Mißachtung zahlreicher Proteste der durch neue Lasten Bedrohten weite Kreise des deutschen Volkes erfüllt hat, mußte auch die Herzen der Deutschen jüdischen Glaubens erschüttern. Dieser Erfolg der Reaktion mußte sie nicht nur als Steuerzahler betrüben, da sie einen großen Teil der Lasten zu tragen haben, die von den Schultern der Agrarier auf die breitesten Schichten der deutschen Bevölkerung abgewälzt worden, sind, sondern auch weil sie seit Jahren auf die Erfüllung berechtigter Forderungen vergebens harren, die bei einer agrarisch-klerikalen Mehrheit im deutschen Reichstage natürlich unmöglich erscheint. Leider hat die überraschende Machtprobe der rückschrittlichen Gewalten, denen selbst ein den Agrariern so wohlgeneigter Reichskanzler wie Fürst Bülow weichen mußte, weil er sich ihnen nicht unbedingt unterwerfen wollte, ebenso wie die zaghafte Haltung der Bundesregierungen bei der Beratung der Finanzreform gezeigt, wieweit wir noch in Deutschland davon entfernt sind, den Willen derer zu beugen, die von Freiheit und Gleichheit nichts wissen wollen. Wer in den Organen der preußischen Hoch-konservativen gelesen hat, in welcher hochmütigen Weise sich das Machtbewußtsein der Feudalen über den Kanzler kundgab, der nach seinem Sturze ihnen ein frivoles Spiel mit den Interessen der Monarchie vorwarf, wie es sich auch seinem ihnen unwillkommenen Nachfolger kundgibt, der muß davon überzeugt sein, daß von einer solchen Parlamentsmehrheit nichts für die berechtigten Forderungen der deutschen Juden zu erlangen ist, die nur dann erfüllbar sind, wenn Recht Recht bleibt. Eine solche Parlamentsmehrheit ermöglicht zu haben, ist aber nicht Schuld der Bundesregierungen, sondern des deutschen Volkes. An dem deutsch e n B ü r g e r t u m ist es deshalb, aus den Erfahrungen der letzten Monate naheliegende Lehren zu ziehen und politische Fehler, die den Sieg der Rückschrittler ermöglicht haben, gutzumachen. Ohne sich in ihrer Gesamtheit einer politischen Fraktion anzuschließen oder gar als ein jüdisches Zentrum eine Sonderstellung anzustreben, werden die Juden sich wie bisher als einzelne den Parteien anschließen, deren Grundsätze ihrer politischen Ueberzeugung entsprechen. Sie werden aberhoffentlich mit Rücksicht auf die von ihnen infolge der Zersplitterung