Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 9 (September 1909)
- Article
- Theorie und Praxis in der antisemitischen Presse
- Date
- 1909-09-01
- Page
- 492 (sequence 2)
- Language
- German
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492 Im deutschen Reich. wie es mit der Praxis im Jnseratenwesen der „Deutschen Handelswacht" beschaffen ist. Der der „Deutschen Handelswacht" nachgerühmte Verzicht auf Jnseraten-Annahme dürfte sich also wohl nur aus die Nichtannahme von Inseraten jüdischer Geschäfte und auf die von der „Handelswacht" nicht so leicht zu erlangenden Börseninserate beschränken. Was in dieser Beziehung andere Antisemitenblütter Leisten, darüber gibt insbesondere der Anzeigenteil der Staatsbürger-Zeitung deutlichen Aufschluß. Dieses Antisemitenblatt hat bekanntlich wieder und wieder die jüdischen Geschäfte bekämpft und dabei die Losung: „Kauft nicht bei Juden oder in Warenhäusern" in allen Tonarten wiederholt, aber Inserate von Baer Sohn (sogar solche mit Weihnachtsengeln) und von Westmann (mit Grabkreuzen) im Anzeigenteil an den günstigsten Stellen veröffentlicht und die wiederholten Kampfartikel gegen Jandorf und das Kaufhaus des Westens sind nach geraumer Zeit verstummt; statt dessen sind seitenlange Inserate dieser Geschäfte aufgetaucht. Auch einträglichen Inseraten von Bankhäusern mit talmudisch klingenden Unterschriften gegenüber hat sie stets die größte Vorurteilslosigkeit bekundet. Trotz ihres wiederholter: Eiferns gegen Gratiszugaben und Lockartikel hat sie das Inserat eines Konfektionsgeschäfts ausgenommen, in dem gesagt wurde: „So lange der Vorrat reicht, gratis in den Vormittagsstunden ein Reisecape." Ungeachtet ihrer häufigen Bekämpfung der Ausverkäufe veröffentlichte sie seinerzeit ein Inserat: „Sensationeller Totalausoerkauf: Damenhemden mit Spitze für 78 Pf., Damenkniebeinkleider mit reicher Stickerei 1,45 M. usw." Ein anderes Inserat lautete: „Rüumungsausverkaus A. Levy, Goldschmidt & Co. 2000 Herrenanzüge von 6 M. an." Die „Staatsbürger-Zeitung" hat auch gegen die Erfrischungsräurne in jüdischen Warenhäusern gewettert, aber im Jahre 1902 die Firma Rudolph Hertzog, die ganze Seiten mit Inseraten füllt, durch einen Bericht zu erfreuen gesucht, in dem gesagt wurde: „Aus dem Seidenlager trägt uns der auf- und abwogende Menschenschwarm direkt in den herrlichen E r fr i s ch u n g s r a u m, in dem wir als Gäste der Firma Rudolph Hertzog mit Kaffee, Tee und Schokolade bewirtet werden."