Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 9 (September 1909)
- Article
- Der Antisemitismus in Rußland
- Date
- 1909-09-01
- Page
- 487 (sequence 2)
- Language
- German
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Der Antisemitismus in Rußland. 487 Juden in ihrem Wirken und Leiden ebenso wie die Antisemiten in unparteiischer Weise zu betrachten. Dadurch, daß das Buch in guter deutscher Uebersetzung zu einem müßigen Preise aus den deutschen Markt gekommen ist, hat sich der Uebersetzer wie der -Verleger -ein zweifelloses Verdienst erworben. Der Standpunkt, von dem Graf Tolstoi bei seiner Untersuchung ausgeht, findet seinen Niederschlag in folgender Ausführung: 1; - „Dem Judentum Loblieder zu singen oder irgend welche den Juden besonders eigene Tugenden zu preisen, bin ich nicht gesonnen, weil ich einfach fest davon überzeugt bin, daß die guten und schlechten Eigenschaften der Nationen u n d V o l k s st ä m m e v 0 n den B e r - h ü l t n i s s e n abhängig sind, unter denen diese leben, u n d w e i l ich ferner überz e u g t bin, d a ß e s ü b e r a l l tugendhafte und böse Dt e n s ch e n gibt, ihre Statistik aber, mit der sich übrigens noch niemand ernstlich befaßt hat, ein offenbar fruchtloses Beginnen wäre." An anderer Stelle sagt der Verfasser: „Ich wiederhole noch einmal, es ist nicht meine Absicht, die Juden zu loben oder die Eigenschaften der semitischen Rasse zu preisen, sondern einzig und allein die Aufmerksamkeit aller Beteiligten darauf zu lenken, daß die gesetzgeberische Politik, die auf die Absonderung der Juden von der übrigen Bevölkerung abzielt, für Rußland verhängnisvoll zu werden droht." Die Ausführungen des Buches zerfallen in zwei Teile. Zunächst gibt der Verfasser einen Ueberblick über die Lage der Juden Rußlands und bespricht namentlich die Beschränkung des Wohnrechtes auf die sogenannte Ansiedlungszone. Die verschiedenen Klassen der Juden, die überall im russischen Reiche wohnen dürfen, werden im einzelnen aufgeführt und ausführlich behandelt. Es sind dies die Kaufleute der ersten Gilde, Personen mit einem gewissen Bildungsgänge, Handwerker und eine bestimmte Artvon gemeinen Soldaten. Die Kritik der von der russischen Regierung eingeschlagenen Wege zur Lösung der Judenfrage ist ruhig undobjektiv. Aus ihr wollen wir einzelne Stellen unseren Lesern zur Kenntnis bringen, damit