Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1909)
- Article
- Geschichte des Volkes Israel [Rezension]
- Date
- 1909-07-01
- Page
- 469 (sequence 2)
- Language
- German
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Bücherschau. 469 sGastlichen Verhältnisse das Buch aus. Weinheimer hat, wie er im Vorwort mitteilt, jahrelang mit Karl Marx sich beschäftigt, und dieses Studium kommt jetzt seinem Werke zugute. Die verschiedenen Kulturstufen, auf denen die altjüdische Geschichte sich bewegt, der Uebergang idesiPolkes vom Nomüdentum zum seßhaften Bauernleben, das Eindringen des Handels und seine Folgen, der Zusammenstoß mit fremden Kulturen, mit der phönizischen, der babylonischen, alles das tritt in Weinheimers Buch mit großer Klarheit hervor, ganz besonders in den packend ' gezeichneten Bildern von Salomo und von Ahab. Dabei chütet sich Weinheimer vor Uebertreibungen. Er überschätzt nicht die Bedeutung der Wirtschaft und unterschätzt nicht die Macht der jüdischen Religion- „Nicht ökonomische Faktoren, nicht Politik war es, was ein Ganzes zusammenschweißte; neben den Banden des Blutes war es die Religion, die aus Stämmen ein Volk geschaffen hat", und vom Christentum erklärt er: „So viele Bäche auch in den: Weltmeer der christlichen Religion zusammengeflossen fein mögen, der Hauptstrom, von dem es gespeist wurde, war doch die jüdische Religion." Er weist auch stets darauf hin, wie diese Religion im Leben wirksam geworden ist. „Wenn es wahr ist," sagt er S. 162, „daß die Kulturhöhe eines Volkes an der Höhe der Stellung der Frau gemessen werden müsse, so hat das Juda der damaligen Zeit alle in Polygamie lebenden Völker des Orients übertroffen", und von den Bestimmungen der Bibel über die Behandlung der Sklaven erklärt er: „Alle Vorstellungen von der Rechtlosigkeit römischer oder Negersklaven müssen wir entfernen, wenn wir uns dieses im guten Sinn patriarchalische Verhältnis vorstellen wollen." Weinheimers Urteile über biblische Persönlichkeiten sind häufig sehr interessant, weil sie vom wirtschaftsgeschichtlichen Standpunkte aus, also auf-neuen Wegen, gewonnen worden sind. So sagt er von dem großen Kampf zwischen König Ahab und dem Propheten Elia: „Wenn Ahabs Politik im Recht war, so war — merkwürdig zu sagen — Elias Widerstand dagegen zweimal im Recht. Was hätte es in der Weltgeschichte zu bedeuten gehabt, wenn Israel — im besten Falle — ein zweites Phönizier: geworden wäre? Aber es hat sehr viel zu bedeuten gehabt, ob es seine Religion sinken ließ oder höher hob, ob Israel seine besondere Anlage, die allein ihm weltgeschichtliche Be-