Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1909)
- Article
- Stuttgart
- Date
- 1909-07-01
- Page
- 450 (sequence 1)
- Language
- German
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450 Im deutschen Reich. Stuttgart, 1. Juni. Im allgemeinen entspricht es nicht der jüdischen Tradition, bedeutenden Glaubensgenossen ein Denkmal aus Erz oder Stein zu errichten, sondern nur die Denkmäler, die sie sich durch ihre Werke selbst errichtet haben, mit Eifer zu fördern und zu verbreiten. Dieser Tradition wird hoffentlich auch künftig von jüdischer Seite durch erneuten Eifer für die Verbreitung der Schriften B er LH old Auerbachs vielseitig entsprochen werden. Bert-Hold Auerbach hat sich aber nicht nur um das Judentum verdient gemacht, sondern stets auch als deutscher Staatsbürger empfunden und eine kerndeutsche Gesinnung in Wort und Tat betätigt. Deshalb ist es sehr erfreulich, daß ihm ebenso wie anderen bedeutenden deutschen Schriftstellern kürzlich ein Denkmal errichtet wurde und an freundlicher Stätte nun sein von künstlerischer Hand geschaffenes treues Bildnis bei Christen und Juden die Erinnerung an den Verfasser der „Dorfgeschichten" und vieler anderer volkstümlichen und herzerquickenden Geschichten wach erhalt. In den Kuranlagen des Brunnenvereins Cannstatt am Neckar, in denen Berthold Auerbach oft und gern geweilt hat, ist ihm seinerzeit zu Ehren eine Linde gepflanzt worden, die seinen Namen trägt. Ihr gegenüber erhebt sich jetzt auf einem mächtigen Schwarzwälder Granitblock die eherne Büste Berthold Auerbachs, zu deren Enthüllung am 23. Mai d. I. sich zahlreiche Verehrer des Dichters eingefunden hatten. Zu den Kosten des Denkmals hatten der König von Württemberg und der Großherzog von Baden namhafte Beiträge gespendet. Die vom Geh-. Hofrat Prof. Or. Otto Günther geleitete Feier wurde durch erhebenden Gesang des Vereins „Concordia" in Cannstadt eingeleitet. Dann hielt Or. Anton Bettelheim aus Wien in zündenden Worten die Weiherede. Es folgte eine markige Ansprache des Geh. Hofrat Prof. Dr. Günther, der das Denkmal dem Brunnenverein übergab, dessen Vorsitzender Gemeinderat Or. Mattstes das Denkmal in besonderen Schutz zu nehmen versprach. Hierauf legten der älteste Sohn des Dichters, Justizrat Auerbach in Berlin, ferner Geheimrat Prof. Or. Günther im Namen des „Schwäbischen Schiller-Vereins", Redakteur Morafch für den „Literarischen Club Stuttgart", vr. v. d. Hellen für den Cottaschen Verlag, Referendar Wiedersheim für die Tübinger Burschenschaft