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Im deutschen Reich · 1909-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1909) · p. 448

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1909)
Article
Frankfurt a. M.
Date
1909-07-01
Page
448 (sequence 2)
Language
German
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448 Jrn deutschen Reich. gruppe durch ihre Haltung verfolgt; was die Frauen von der Reaktion zu gewärtigen haben, das sollten sie doch wirklich endlich gelernt haben/' — Der in der Villa Molitor in Darmstadt wohnhaft hochbesteuerte Privatier Adolf Theiß stand am 9. d. M. vor der Strafkammer des Landgerichts Würzburg unter der Anklage des Betruges. Theiß ist enragierter Antisemit, Verfasser des Liedes „Germanins Klage über Moses" und war früher Redakteur einer antisemitischen Zeitung. Bis zum Jahre 1903 betrieb Th. ein ausgebreitetes Sämereiengeschaft, das er »dann aufgab, um „in Grundstückspekulation zu machen". Er war Villenbesitzer, ist es vielleicht heute noch, hielt Equipagen und Pferde, Dienerschaft usw. und gerierte sich als sehr reicher Mann. Nach seiner Angabe hat seine Frau, mit der er in Gütertrennung lebt, in Frankfurt a. M. bei dem vor einigen Jahren erfolgten Jmmobiliensturz 250 000 M. verloren, ebensoviel in Darmstadt. Im Oktober 1907 kam Theiß zu dem Bauern Schick in Unterleichtersbach a. Rh., der sein Gut verkaufen wollte. Er stellte sich als Generalbevollmächtigter seines Neffen Gäbet in Frankfurt a. M. vor und wollte das Gut kaufen. Daneben erzählte Theiß noch viel von seinen Reitpferden, kaufte für sie zehn Zentner Hafer, für die Schick jedoch nie einen Pfennig erhalten hat. Eine Hauptrolle spielte bei den Unterhandlungen seine Villa, die, wie die Erhebungen ergaben, damals bereits unter Subhastation stand. Weiter gab der Angeklagte an, daß er in Frankfurt 24 000 M. einzukassieren habe, und der Bauer, der von dem Reichtum des feinen Mannes vollkommen überzeugt war, schloß den Verkauf des Gutes mit ihm ab. Als vorläufige Sicherheitsleistung bot Theiß dem Verkäufer ein Schriftstück an, das wohl die Ueberschrift „Obligation" trug, in Wirklichkeit aber nichts weiter besagte, als daß der Neffe Gäbet ein nicht als Hypothek eingetragenes Kapital von 15 000 M. auf die Villa des Theiß in Darmstadt geliehen hatte. Schließlich kam der Bauer Schick doch auf den Schwindel und brachte, um nicht sein ganzes Hab und Gut zu verlieren, die Sache zur Anzeige. Theiß wollte in der Verhandlung durchaus unschuldig sein; seine Frau, eine reiche Französin, habe durch den Jmmobiliensturz eine halbe Million

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