Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1909)
- Article
- H. B., Hamburg
- Date
- 1909-06-01
- Page
- 390 (sequence 2)
- Language
- German
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390 Im deutschen Reich. einfach als „Antisemitismus" anzusehen, wenn ein Christ jedes Gebaren, das ihm.mißfällt, als „jüdisch" bezeichnet. Ironische Bemerkungen über das Christentum wird man nie gläubigen Juden Nachweisen können, sondern höchstens solchen, die aus äußerlichen Gründen sich dem Christentum zugewandt haben und deren von dem Religionswechsel gehegte materiellen oder gesellschaftlichen Erwartungen gar nicht oder doch nicht genügend erfüllt worden sind. F. <£., Gsseir. Die vielfach verbreitete Nachricht, es seien in dem Essener Gymnasium Juden in den minderwertigen Coetus 33 ein gereiht worden, ist nach den uns gewordenen Informationen durchaus unrichtig. R. m, Rassel. Daß der Besitzer der Sonnen- Apotheke in Kassel, Herr C. Wolf, in der „Pharmazeut. Zeitg." einen jüngeren Herrn (Christ) für seine Apotheke sucht, die trotzdem von jüdischer Kundschaft stark frequentiert wird, ist leider keine alleinstehende Erscheinung. Hier in Berlin zeigen die Inhaber ähnlicher auf jüdische Kunden angewiesener Apotheken, z. B. der Kommandanten- Apotheke in der Seydelstraße, der Fürst Bismarck- Apotheke in der Ackerstraße u. a. m. dieselbe vorurteilsvolle Gesinnung. In Hamburg verwahrten sich der Inhaber einer Apotheke in St. Pauli (Ern st Ritze) und der Viktori a -Ap o th e k e in Hamburg-Uhlenhorst (L. S au er) gegen jüdische Bewerber um Vakanzen in ihrem Betriebe usw. usw. 5. 5t., würzbrrrg. Wir sind Ihnen für Uebersendnug des Würzburger „General - Anzeigers" dankbar. Herr Magistratsrat W. Kahn hat nach jenem Bericht in dankenswerter Weise den dortigen Magistrat davon überzeugt, daß die Behauptung des Würzburger „Handelsvereins", die orthodoxen israelitischen Engrosgeschäfte, die am Sonnabend nicht arbeiten lassen, können unmöglich am Sonntag in zwei Vormittagsstunden die Arbeiten von zrvei Tagen erledigen, zütrifft. Man uro ge ihnen deshalb schon von 10 Uhr ab gestatten, hinter verschlossenen Türen israelitisches Personal arbeiten zu lassen. Dieser Antrag wurde von den Rechts-' räten mit 11 gegen 7 Stimmen angenommen. Herr Magistratsrat Kahn hatte vorher erklärt, es handle sich nur um israelitische Grossisten. Wenn Detaillisten in Frage künren,