Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1909)
- Article
- H. H., Berlin
- Date
- 1909-06-01
- Page
- 389 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefkasten. 189 sendung des „Berliner Lokalanzeigers" vom 13. Mai dankbar, da wir das interessante, kleine Inserat tatsächlich übersehen haben. Wir drucken es an dieser Stelle ab: Reelle Heirat. Christ, 37 Jahre alt, Inhaber einer guten, alten Firma, die vom Vater übernommen, wünscht, da Eltern gestorben, sich zu verheiraten. Nach Vermögen wird nicht viel gesehen, doch mindestens 40 000 M. Dame muß häuslich sein; event. hübsche, jedoch reinliche Jüdin. Offerten E. 277 Hauptexped. d. Bl. Für „hübsche, jedoch reinliche Jüdin", mit mindestens 40 000 M. Vermögen bietet sich hier allerdings eine glänzende Gelegenheit, ein großes Glück zu machen; denn der Einsender dieses Inserats ist zweifellos ein — Arier, der sich gewaschen hat! Z. I., Wilmersdorf. Im Beiblatt der „B. Z, am Mittag" vom 6. Mai ist eine Vermietungsanzeige zu finden, die als eine Blüte der zunehmenden Konfessionalisierung aller Verhältnisse zu betrachten ist: „Die echt antik ausgestattete Villenwohnung (Fasanenstraße 39) an vornehme evangelis ch e Familie sofort zu vermieten." Also: Für Katholiken ebenso wie für Juden nicht zu haben! H. Hamburg. Es hat verschiedene .Leser der im Verlage von M o r i tz Schäfer in Leipzig erscheinenden Fachzeitschrift „Die Mühle" peinlich berührt, daß in dieser anr 19. März d. I. ein „Zur Notlage der Kleiumühlen" überschriebener Artikel veröffentlicht wurde, in dem von einigen unreellen Müllern gesagt war, „sie trieben es wie die Juden". Immerhin konnte man es noch für eine unüberlegte Redensart halten. Die Art, in der die Redaktion diesen Lapsus entschuldigte, beweist aber das Gegenteil. Sie sagt: „Der Ausdruck ,wie Juden' bezeichnet nur das Handelsgebaren: z it \ e b e m Preise Geschäfte a b z u s ch li e ß e n, ein Handelsgebaren, das auf Messen und Märkten besonders von jiidischen Händlern geübt würde. Der Hinweis auf solches Gebaren hat mit dem Antisemitismus so wenig zu schaffen wie die ironische Erwähnung christliche Liebe' mit dem Christentum." — Nun, wir würden es sehr wohl verstehen, wenn ein Christ sich durch eine solche „ironische" Bemerkung verletzt fühlen würde, und wir sind als Juden feinfühlig genug, es