Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- B. E., Berlin
- Date
- 1909-05-01
- Page
- 316 (sequence 2)
- Language
- German
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316 Im deutschen 3ieictj. Vorschriften auszuwerfen. Das Antisemitenblatt blamiert sich dabei durch folgende Behauptung: „In den jüdischen Blättern wurden unlängst die russischen Paßvorschriften für fremde Juden aufs neue angefochten, und alle preußischen Aerztekammern werden sich damit beschäftigen, nur weil ein jüdischer Arzt in Eydtkuhnen, der die besondere Erlaubnis zu einer Reise nach Rußland nicht einholen mochte, . sich darüber entrüstete und den üblichen Lärm schlug." — Also wirklich nur deshalb hätten zahlreiche preußische Aerztekammern sich einmütig dem Beschluß der ostpreußischen Aerztekammer angeschlossen? Nein! Sie erkannten sehr richtig eine Herabwürdigung des Deutschen Reiches darin, daß eine große Zahl seiner Bürger demütigenden Ausnahmebestimmungen seitens einer „befreundeten" Großmacht unterworfen wird, die äußerlich zum Teil zu Europa gehört. D. B., ^erlitt. Es ist ein Zeichen der Zeit, daß sich die schlimmsten Judenfeinde, selbst solche, die unsere Glaubensgenossen erbarmungslos ins Elend treiben, dagegen Verwahren, „Antisemiten" zu sein. Wir verweisen Sie auf eine offizielle Kundgebung des f i n l ä n d i s ch e n Senats, in der es heißt: „Man verdächtigt uns des A n t i s e m i t i s m u s; aber das ist eine unwahre Anschuldigung. W i r wache n nur über die alten Gesetze, die in Finland über die Juden erlassen wurden, und wir haben diese Gesetze nie verletzt. In der letzten Zeit wurden lediglich (!) 43 Juden und 70 jüdische Familien ausgewiesen, die in Finland kein Wohnrecht hatten." — Diese Logik könnte jeden Vorurteilslosen verleiten, Satiren zu schreiben, wenn sie nicht so traurige Folgen hätte und wenn nicht auch außerhalb Finlands „das Wachen über alte Gesetze" den Vorwand bieten würde, der Verwirklichung der Gleichberechtigung der Juden Hemmnisse zu bereiten. Gewissen Leuten ist jeder Kulturfortschritt ein Dorn im Auge, ein „altes Gesetz" aber unendlich wertvoll, soweit es ihnen Vorrechte verbürgt, die längst nicht mehr zeitgemäß sind! Th. K., ^erlitt. Die „Staatsbürger-Zeitung" segelt noch heute vollständig im Fahrwasser der „Wahrheit". Gutzahlenden Inserenten gegenüber gibt es keinen Rassenhaß; wer das Inserieren einstellt, verfällt dem Anathema. Als die Firma Baer Sohn zum Mißvergnügen vieler Juden zum