Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- Lissa
- Date
- 1909-05-01
- Page
- 306 (sequence 2)
- Language
- German
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306 Im deutschen Reich. Vermittlern verübt worden sein mag, ist möglich, aber daß noch kein verschuldeter Offizier versucht habe, durch ein veröffentlichtes Heiratsgesuch dem Ruin zu entgehen, wird man ebensowenig glauben wie die Behauptung, daß die nicht allzuseltenen Heiraten mit Parvenüstöchtern von den betreffenden Offizieren sämtlich als „Liebesheiraten" eingegangen wurden. Das „Die Kommandeuse" überschriebene Bild in dem „Kladderadatsch" vom 4. April zeugt aber dafür, daß der sicher für keine Heiratsvermittlungen eingenommene Zeichner des Bildes selbst einzelnen „höheren Offizieren" reichen Parvenütöchtern gegenüber eine sehr vorurteilslose Gesinnung zutraut. — Daß es den Heiratsvermittlern leicht ist, auch ohne „unlauterer Geschäftsknifse" die Adressen heiratslustiger „jüdischer Damen" sich zu verschaffen, ist kaum zu bezweifeln: für diese Damen hat auch die Aussicht, sich an einen Offizier zu verheiraten, längst nichts so Verlockendes mehr, daß eine solche Aussicht sich besonders zum - „Geschäftskniff" eignen könnte. — Mit diesen Aeußerungen sollen alle geschäftlichen Transaktionen mancher Heiratsvermittler durchaus nicht beschönigt werden; für diese haben wir nichts übrig. > Hamburg, 2. April. Kürzlich hat hier Herr Oberamtsrichter Graes aus Weimar in der hiesigen Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes über „Kritische Zeiten für Volk und Reich" gesprochen und dabei u. a. gesagt: Der innere Zustand im Deutschen Reich gemahne an beginnenden Zerfall. Hier sei das Judentum vorwiegend die Ursache. Ein Hang zum Wohlleben herrsche, die Sparsamkeit oerschwinde, die Jagd nach dem Golde beherrsche das verhängnisvolle Amerikanertum in Deutschland. Dieselben Erscheinungen seien beim beginnenden Zerfall der. alten Kulturreiche gewesen. In der Verwilderung der Sitten, den Sensationsprozessen, der Schmutzliteratur usw. sei der Einfluß des jüdischen Geistes zu spüren. Hamburg voran in der wahren Kultur, da hier der „Simplizissimus" verboten wurde. Scham und Sittlichkeit würden umgewertet: „Asterkunst, Nacktvorstellungen, Lhnar, Olga Desmond, Isidor Witkowsky." — Dem Herrn Oberamtsrichter dürfte es schwer sein, nachzuweisen, daß das „Judentum" die Ursache der Eheirrungen der Gräfin Montignoso, der Vorgänge in der „kleinen Garnison", der Allen-