Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- Breslau
- Date
- 1909-05-01
- Page
- 304 (sequence 2)
- Language
- German
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304 Im deutschen Reich. unb auf den verschiedensten Gebieten ein so. warmes Gefühl, einen so regen Eiser für alle jüdischen Bestrebungen bekundet, daß ihm in weiten Kreisen ein dankbares Gedenken gesichert ist. Kranzspenden waren im Sinne des Dahingeschiedenen abgelehnt: unsere Ortsgruppe hat sich bei der heutigen Beerdigung in würdiger Weise beteiligt und ihrem verstorbenen Vorstandsmitgliede einen Nachruf in der „Breslauer Zeitung" gewidmet. — Wie das „Jüdische Volksblatt" berichtet, hat der Leiter der antisemitischen „Schlesischen Morgen-Ztg.", Pastor a. D. Dir. N i tschke , der bekanntlich die jüdischen Militärärzte in unerhörter Weise beleidigt hat, in der hier am 31. März abgehaltenen Stadtverordneten- Sitzung einen neuen antisemitischen Vorstoß unternommen. Es lag der Magistrats-Antrag vor, die Bibliothekarinnen ebenso wie alle andern Beamten der Stadt fest anzustellen. Herr Dr. Nitschke wehrte sich dagegen, wollte überhaupt keine Anstellung dieser Damen im Hauptämter es sollte dieses Amt nur im Nebenamte von Volksschullehrern verwaltet werden. Des Pudels Kern aber war, daß von den fünf Bibliothekarinnen vier jüdischer Konfession sind, was in den Augen eines Antisemiten höchst betrüblich ist. Dieser Umstand . gab Herrn Dr. Nitschke Anlaß für „Parität" einzutreten und eine Reihe von Kämpfern für echte Parität auf den Plan zu führen. Die Herren Bürgermeister Trentin, Instizrat Heilberg, Justizrat Dr. Neisser und Justizrat Hein bereiteten ihm eine gründliche Abfuhr. Der Bürgermeister stellte fest, daß doch nur der Antisemitismus Herrn Dr. Nitschke veranlaßt habe, den Antrag auf feste Anstellung der Bibliothekarinnen zu bekämpfen. Es sei gar kein bloßer Zufall, daß bei den Bibliothekarinnen die „Parität" des Herrn Dr. Nitschke irr seinem konfessionellen Sinne verletzt sei. Die angestellten Damen seien jüdische Lehrerinnen, die in dieser Eigenschaft an den städtischen konfessionellen Schulen keine Anstellung finden könnten, darum fänden sie als tiichtige Damen eine Anstellung im Bibliotheks-Dienste. Der Amtrag Dr. Nitschkes wurde mit großer Mehrheit abgelehnt, da der Antragsteller hierbei von seinen eigenen Freunden im Stiche gelassen wurde. * ZtaUbov, 1. April. In der hier am 4. v. Mts. abgehaltenen ordentlichen Mitgliederversammlung der Orts-