Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 208 (sequence 80)
- Language
- German
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208 Irn deutschen Reich unb handelt damit nicht nach den Grundsätzen des Central- Bereins, sondern lvir müssen diesen Vorwurf als eine Verleumdung zurückweisen können. Wir sind kein Fremdkörper im deutschen Baterlande, der in sich abgeschlossen wäre und keine Gemeinschaft mit anderen hat, sondern wir wurzeln in dein Allgemeininteresse des deutschen Vaterlandes und fördern unsere speziellen Interessen nur, insoweit sie in Übereinstimmung stehen mit den allgemein politischen Interessen. (Bravo!) Die Haltung der Barthianer — denn die sind ja die Schiebenden in der Sache — hzt schon dahin geführt, daß eine ganze Reihe von Herren, und nicht die schlechtesten Elemente unter uns, dem Vorstand eine Erklärung überreicht haben des Inhalts, daß sie sich unbedingt freie Hand halten in dem Sinne wie ich ausgeführt habe, unb daß, wenn uns das beschränkt würde, wir es für unsere Pflicht halten würden, aus dem Verein auszutreten. (Hört! Hört!) Wenn in Köln die Sache von der einen Seite betrachtet worden ist, so ist sie in Königsberg von der anderen Seite betrachtet worden, und es sind auch aus anderen Teilen des Vaterlandes Zuschriften an uns gelangt, die sagen: „Was sollen wir tun?, der Central-Verein kann uns doch nicht vorschreiben, unter keinen Umständen für einen Getauften einzutreten, nehmt uns unsere Aemter im Central-Verein ab." Wollen Sie alle die Juden, die im ganzen Deutschen Reich für einen getauften Juden bei einer Reichstags-, einer Landtags-, Stadtverordnetenwahl, bei Wahlen zu Anwaltskammern, Aerztekammern eingetreten sind, mit dem Banne belegen? Wir würden eine Fülle von intelligenten Menschen aus unserem Verein hinausdrängen, wir würden uns im Kampfe gegen den Antisemitismus, im Kampfe auch mit der Regierung aufs schwerste schädigen, wenn man uns jemals mit Recht den Vorwurf machen könnte, daß wir von unseren Mitgliedern verlangen: Eure politische Ueberzeugung steckt ihr in die Tasche, wenn es sich um jüdische Spezialinteressen handelt. Das geht Glicht. Ich bitte Sie auf das dringendste, entweder keine Resolution anzunehmen oder die — die Ihnen vom Vorstand nach vielen langen Beratungen Präsentiert worden ist. (Bravo!) Herr Or. L ö w e n st e i n-Aachen: Bis jetzt ist die Debatte sachlich gewesen. Ich muß bedauern, daß das nicht mehr der Fall ist, seitdem den Herren, die anderer Ansicht sind als