Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1909)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1909-02-01
- Page
- 124 (sequence 2)
- Language
- German
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124 Im deutschen Reich. verdienten Mannes als nicht so schwerwiegend erachten, daß er ans der Leitung ausscheiden müßte. Die Grundfrage ist die: Wie soll sich der Central-Verein verhalten, wenn ein Judentäufling und ein anderer nicht antisemitischer Kandidat sich gegenüberstehen. Der Vorstand sagt: neutral. Diese Stellung halte ich, wie ich im folgenden zeigen will, nicht nur für verkehrt, sondern auch direkt schädlich für das Judentum. Ich will ganz absehen von dem Satze: Qui tacet. consentire videtur. Daß in dem Unterlassen oder dem neutralen Verhalten auch ein negatives Handeln liegen kann, ist selbst Nichtjuristen bekannt. Wir müssen die Judentaufen nicht nur mißbilligen, sondern auch bekämpfen. Nur eine kämpfende Truppe kann sich vor erheblichen Verlusten schützen. Beim „Abwehrverein", der den Antisemitismus vom allgemein menschlichen Standpunkt aus bekämpft, mag im vorliegenden Falle strikte Neutralität begründet sein. Beim Central-Verein. der doch als jüdisches Organ tätig sein null, verstößt Passivität gegen jüdische Interessen. Nehmen wir einmal an, im Reichstage stände die Judenfrage zur Debatte. Da würden wir uns freuen, wenn ein Mann deutschen Stammes und christlicher Religion für uns eine Lanze bräche. Die Judentäuflinge Mugdan, Heckscher usw. werden dann klugerweise schweigen. Wenn sie aber dennoch für uns sprachen, so muß uns Juden die Schamröte ins Gesicht steigen, daß Männer unsere. Verteidigung übernommen haben, die durch ihre Handlungsweise zeigten, daß sie den jüdischen Stamm und die jüdische Religion für minderwertig halten: den Antisemiten wird dann Gelegenheit gegeben, mit Recht uns zu bespötteln. Jur vorliegenden Falle hatten die Juden die Wahl zwischen einem Manne, der, wenn es sich um jüdische Fragen handelt, unbefangen an sie herantreten kann, und einem Manne, der, wenn er sich nicht lächerlich macken will, anf Grund seiner Vergangenheit zu einem bestimmten — am beauemsten schweigenden — Verhalten genötigt ist. Ein getaufter Jude kann eben für jüdische Interessen nicht eintreten und dadurch wird das Judentum indirekt benachteiligt. Der Central-Verein mußte demnach hier tätig werden. Durch seine Passivität fügt er indirekt dem Judentums Schaden zu. Die Frage mag für Stadtverordnetenwahlen nicht sehr wichtig sein. Für die Wahlen zum Reichs- und Landtag, in denen die Judenfrage doch ab und zu angeschnitten wird, ist