Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1909)
- Article
- Ein Zahnarzt aus Frankfurt a. M. schreibt uns
- Date
- 1909-02-01
- Page
- 118 (sequence 2)
- Language
- German
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Jur deutschen Reich. 118 suchende ui ihren Dsferteu sich als Christen empfehlei:, weil ihnen das weit mehr Chaneen dietet. Du gilt e^> denn für das jüdische Publsium, als Patienten solche vorurteilsvollen Zahnärzte zu meiden, und allen jüdischen Zahnärzten empfiehlt es sich, möglichst jüdische Kollegen zu beschäftigen. In der letzten Nummer der „Deutschen zahnärztlichen Wochenschrift" verlangen zehn Herren direkt einen christlichen Assistenten, zwei Herren Angabe der Religion, und nur fünf Herren proklamieren keine konfessionelle Bedingung, die aber während der Verhandlung noch Nachfolgen wird. Außer dem berühmten Hofzahnarzt Scholtz-Karlsruhe sind zu nennen: vr. Voerkel-Elberfeld, Matz-Magdeburg, Bauermeister-Hamburg, Jasper-Heide (Holstein), Müldener-Hannover. Es ist nun nicht zu leugnen, daß viele der betreffenden Inserenten mehr oder weniger neutral denken, aber doch bei einer Wahl zwischen Christen und Juden erstere vorziehen bezw. von vornherein nach einem solchen fahnden, und daß sie in einzelnen Gegenden, besonders in katholischen, sich zum Engagement eines christlichen Herrn gezwungen glauben. Ein Zahnarzt aus Darmstadt erzählte, um seine Toleranz zu beweisen, er habe einen christlichen und einen jüdischen Assistenten, 'den letzteren für seine zahlreichen jüdischen Patienten, den ersteren für strenggläubige Christen. Alles in allem ist es beschämend, daß in gebildeten, wissenschaftlichen Kreisen derartige ungebildete Anschauungen noch herrschen und gefördert werden. Daß in derselben erwähnten Nummer der „Deutschen zahnärztlichen Wochenschrift" unter der Rubrik „Angebote" nicht weniger als zwölf Herren sich als Christen empfehlen, macht fast den Eindruck, als könne nur ein Christ ein guter Zahnarzt sein, und dabei gehören die Juden im Fach, in der Praxis und in der Vertretung der Standesinteressen zu den Tüchtigsten, so daß auch Neid und Angst vor einer späteren erfolgreichen Konkurrenz zu der getadelten Handlungs- und Gesinnungsweise beitragen mögen. Das kann uns nur zu größerem Eifer in unserer Berufstätigkeit anspornen, uns aber auch anregen, uns auf uns selbst zu besinnen und unentwegt das erforderliche Zusammengehörigkeitsgefühl zu betätigen." Daß die Verhältnisse der ärztlichen Stellenvermittlung genau so wie die der zahnärztlichen liegen, daß auch die Anstellungsverhültnisse der Chemiker, Kauflente usw. sich kaum