Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-12-01
- Page
- 703 (sequence 14)
- Language
- German
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Umschau. 703 r> e s H.e r r n Liebe r m amt v o n S ü u it e n b e r g a n f - nehmen kann." Dr. Böhme behauptete, daß der „Reichsberold" im Judensolde gestanden habe und seine Hintermänner von den Juden gekauft gewesen seien. Die Versammlung nahm natürlich diese Erklärung mit sni r misch er Heiterkeit auf. Derselbe Dr. Böhme schrieb mit 1. November durch einen spaltenlangen, in der „Staatsbiirger-Ztg." veröffentlichten offenen Brief „Ein Schlußwort zum Falle Heile" einem seiner in akademischen Kreisen vielgenannten Kampfgenossen nachstehende Freundlichkeiten tu das Stammbuch: ,,Daß ich früher Sie günstiger beurteilt habe, will ich nicht leugnen, auch ich kann mich in der Beurteilung anderer Menschen irren. Dagegen sind Sie int Irrtum, wentt Sie glauben, ich hätte mir von Ihrem (Eintritt in die Redaktion der Deutsch- Sozialen Blatter „einen wertvollen Gewinn" für meine Partei versprochen. Ach nein, Herr Heile, es geschah lediglich aus Mitleid, weshalb ich Ihnen den Empfehlungsbrief schrieb, ich glaubte an Ihre Versicherung: „Sie seien deutsch-sozial bis auf die. Knochen" und hoffte, daß unter dem Einfluß der Beamten unseres Reichsverbandes, trefflicher Männer, die Verworrenheit und Unklarheit Ihres Denkens gehoben werden roürde." Wie die antisemitische Magdeburger „Sachfenschau" über ihre eigenett Parteigenossen sich wiederholt mehr als abfällig geäußert hat, darfals bekannt vorausgesetzt werden. Sie berichtete dieser Tage, daß der von dem Professor Dr. Paul F ö r st e r geleitete „Deutsche Volksbund" sein Organ „Deutsche Hochwacht" weiter verpachtet, also aberinals eine finanzielle und redaktionelle Sanierung versucht habe. Daztt bemerkte ein freisinniges Blatt: „Es sind ztt ergötzliche Leute, diese Retter Deutschlands!" Wählerisch in ihrem Umgang sind sie offenbar nicht, das zeigte der Wiederanfchlnß an den früheren Landtagsabgeordneten H i r s ch e l, der seinerzeit wegen Unterschlagung zu fi'tnf Wochen Gefängnis verurteilt worden war. Daß am 1. November diese Strafe int Gnadenivege in 000 Mark Geldstrafe um gewandelt ist, könnte zu der Annahme verleiten, daß man in gewissen Kreisen noch immer an die Regierungsfreundlichkeit der Antifemiten glaubt. Ein Pröbchen dieser „regierungsfreundlichett" Gesinnttng hat in einer vom Vaterländischen Volksbund am 29. Oktober in den Germaniasälen abgehaltenen öffentlichen Versammlung