Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 11 (November 1908)
- Article
- S. L., Straßburg
- Date
- 1908-11-01
- Page
- 657 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefkasten. 657 „ehrenvoll getilgte Schmach" angesehen wird, scheint doch von den Dunkelmännern als ein Agüaiionsmittel betrachtet zu werden, mit dem sie bei denen, die auch in Frankreich nie alle werden, Geschäfte machen können, auch wenn der Profit kein großer ist. Der Nationalist Vietry, der am 20. Oktober bei der Beratung des Justizetats in der Deputiertenkammer den Justizminister befragte, was er gegen die Beschimpfung eines Richters des Kassationshofes zu tun gedenke, wollte offenbar nur die Dreyms-Affäre wieder einmal in der Kammer zur Sprache bringen und dabei die Re gierung und die Kammermehrheit öffentlich schmähen. Er erfuhr eine blutige Abfuhr durch Briand, der ihm dies unter dem tosenden Beifall der Kammer vorhielt und betonte, die französische Regierung werde nicht dulden, daß das Land noch einmal durch die Nationalisten der Gefahr innerer Zerwürfnisse ausgesetzt werde. Da Bietry mit neuen Schimpfereien antwortete und trotz des vom Präsidenten über ihn verhängten Zeitweiligen Ausschlusses aus der Kammer die Tribüne nicht verließ, wurde er von der Kammerwache mit Gewalt entfernt, worauf die Kammer mit 436 gegen 47 Stimmen eine Tagesordnung annahm, in der das häßliche Verhalten Bietrys mißbilligt und die Erklärung der Regierung gebilligt wurde. Daß auch Deutschland solche sogenannten „Nationalisten" besitzt, die der deutschen Nation nicht zur Ehre gereichen, können wir leider nicht in Abrede stellen, aber die Tatsache, daß es überhaupt eine „Dreyfus-Affäre" gegeben hat, und daß sie nicht längst im französischen Freistaat vollständig begraben ist, sollte man in Elsaß-Lothringen nicht niedrig veranschlagen.