Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 11 (November 1908)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1908-11-01
- Page
- 649 (sequence 1)
- Language
- German
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Bereinsnachrichten. 649 V§rews«achrichtett. — Herr Rechtsanwalt Dr. Walter Frankel hat als Vertreter des Herrn BeniBerkowitzin Charlottenb urg uns eine in einer Beleidigungssache gezahlte Buße von 25 Mark überwiesen, worüber dankend quittiert wird. * — Wie wir in unserm Septemberheft (S. 518) mitgeteill habe^i, war unserm Vereinsmitglied Or. meck. Julius Moses in Mannheim das ihm für die Versammlung in Darmstadt in Aussicht gestellte medizinische Referat über Schülgesundheitspflege von dem Vorstand des Deutschen Vereins für Schülgesundheitspflege mit der Begründung wieder abgenommen worden, daß diese Frage schon früher von Professor Dr. Schmidt in Bonn angeregt worden sei. Darauf wurde ihm in Darmstadt von dem Vorsitzenden des gedachten Vereins offen erklärt, man habe ihn in der Sitzung wegen seines alttestamentlichen Namens abgelehnt, weil, wenn dieser auf der Tagesordnung stände, das preußische Ministerium sich in keinem Falle in Darmstadt vertreten lassen würde. Dies veranlagte Herrn Dr. Moses, in der „Zeitschrift des Deutschen Vereins für Schulgesundheitsvflege" sich dahin zu äußern, es handle sich hier „um schroffe Durchbrechung der Gepflogenheit der wissenschaftlichen Körperschaften, die auch in den vom Antisemitismus am lebhaftesten durchtobten Zeiten und Ländern einen neutralen Boden darstellten, auf dem alle wissenschaftlichen Arbeiter Platz fanden." Inzwischen hat sich herausgestellt, daß das Ministerium keinerlei Anlaß gegeben hat, der diese Annahme rechtfertigen konnte, es werde sich wegen eines jüdischen Vortragenden in der Darmstädter Versammlung nicht vertreten lassen. Der Vorstand des Deutschen Vereins für Schülgesundheitspflege ist also lediglich selbst verantwortlich zu machen für die Dokumentierung eines rückständigen Antisemitismus.