Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 11 (November 1908)
- Article
- Mannheim
- Date
- 1908-11-01
- Page
- 645 (sequence 2)
- Language
- German
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Kocrestorwenzen o45 Frattionsinteressen. Die „Deutsch-Sozialen Bläiwr" lassen zu diesem Zweck folgenden Lockruf erschallen'. „Das Zentrum will die nationalliberale Partei endgültig von dem Throne stürzen, den diese Partei vermöge des Großblocks im Landtag bisher einnahm, und hat daher in den Wahlkreisen, wo es aus eigener Kraft nicht siegen kann, ein Interesse an der bedingungslosen Stärkung der anderen rechts stehenden Parteien. Die Konservativen haben schon bei den letzten Landtagswahlen aus dieser Taktik Nutzen gezogen. Die Deutschsozialen, die in früheren Jahren über ein Dutzend eigne, aber schlecht organisierte Vereine in Baden besaßen und auch Abgeordnete unter schwierigeren Verhältnissen als heute in den Landtag brachten, müssen nunmehr aus der mehrjährigen Passivität heraustreten." — Die Antisemiten möchten also ebenfalls ihren Anteil an der Futterkrippe des Zentrums haben. Fragt sich nur, ob die Konservativen sich diesen unlauteren Wettbewerb gefallen lassen werden, und ob dem Zentrum die Unterstützung der Antisemiten nicht etwas genierlich ist. * ** Mainz, 15. Oktober. Dem „Mainzer Anzeiger" wird aus Biebrich berichtete „In diesen Tagen ist hier, aus einer Bewegung gegen den 8 Uhr-Ladenschluß entstehend, ein Verein selbständiger Geschäftsinhaber ge gründet worden, dem aber ein Mandat zur Vertretung kaust männischer Interessen kaum zugesprochen werden kann, weil gerade die Inhaber der größten Geschäfte der Vereinigung ferngeblieben sind und zum Teil auch ferngehalten wurden. „Die (nämlich die großen Geschäfte) und die Juden wollen wir nicht haben," sagte einer der Agitatoren, womit wohl schon die Richtung des neuen Vereines hinreichend dokumentiert ist." ❖ )( Dessau., 14. Oktober. Bei den gestrigen allgemeinen Wahlen zum a n h a l t i s ch e n Landtage, bei denen 14 Abgeordnete von den Städten und 10 vom platten Lande gewählt wurden, sind zwei deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens, der unserem Vorstände sngehörende