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Im deutschen Reich · 1908-11-01 · Heft 11 (November 1908) · p. 644

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 11 (November 1908)
Article
München
Date
1908-11-01
Page
644 (sequence 1)
Language
German
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644 Fm deutschen Steich. /X München, 10. Oktober. Der Verleger des Witzblattes „Der Grobian", Anton Leib, hatte sich am 8. d. M. vor dem Schöffengericht München I wiederum wegen Beleidigung zu verantworten. Der Klage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Herr Rechtsanwalt Or. Holländer hatte als Prozeßbevollmächtigter mehrerer Juden, die im „Grobian" angegriffen waren, Leib wiederholt wegen Beleidigungen verklagt. So erhielt er im Vorjahre wegen Beleidigung eines Kantors eine Woche Gefängnis. Leib glaubte nun, sich den ihm unangenehmen Rechtsanwalt Or. Holländer vom Halse zu schaffen, wenn er ihn in seinem Blatte angreife und schrieb über ihn in abfälliger Weise. Unter anderm nannte er ihn: „Den Münchener Filialleiter des jüdischen Denunziantenvereins", den „koscheren Rechtsgelehrten Or. Holländer", und in einer andern Nummer sagte er: Rechtsanwalt Dr. Holländer wolle Geld verdienen und veranlasse deshalb die Juden zum Klagen gegen ihn. In der Verhandlung erhob Leib Widerklage gegen Rechtsanwalt Dr. Holländer mit der Behauptung, dieser habe in einem Schriftsatz ausgeführt, er, Leib, habe den Offenbarungseid falschgeleistet. Zu seiner Verteidigung erklärte Leib, er sei in der Erregung zu den Artikeln gekommen und bat um den Abschluß eines Vergleichs. Dieser wurde von dem Vertreter des Klägers abgelehnt, und das Gericht verurteilte Leib wegen Beleidigung zu einer Woche Gefängnis, sprach hingegen den Widerbeklagten Dr. Holländer frei. * ** Mannheim, 17. Oktober. Wie die „Neue Badische Landeszeitung" berichtet, erhoffen in Baden die- Antisemiten von den nächsten L a n d t a g s w a h l e n den Wiedereintritt einiger Vertreter ihrer Partei in das Rondel. Bei den letzten Wahlen, die sich unter dem Zeichen des liberal-sozialdemokratischen Großblocks gegen das Zentrum und die Konservativen vollzogen, wurde, wie erinnerlich, der letzte antisemitische Abgeordnete, Mampel, aus dem Landtag hinausgewählt. Jetzt suchen sich die Deutsch-sozialen beizeiten dem Zentrum anzubiedern, dessen Taktik bekanntlich darauf ausgeht, die liberal-sozialdemokraLische Mehrheit unter allen Umständen zu sprengen, selbst unter Zurückstellung der eigenen

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