Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- Nicht qualifiziert!
- Date
- 1908-10-01
- Page
- 594 (sequence 2)
- Language
- German
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594 Im deutschen Reich. webet machten die Hebung als Offiziers-Aspiranten mit; einer davon, der Pfarrer wird, trat znriick, fünfzehn wurden vom Regiment als qualifiziert befanden, einzig — der junge Anwalt nicht. Liegt nach der gegebenen Motivierung nicht die berechtigte Vermutung nahe, daß feine Eigenschaft als Jude die Ablehnung herbeigeführt hat? — Hierzu bemerkt die „Frankfurter Zeitung": „Wenn schon der Erlaß des Kaisers unbeachtet bleibt, mit welchem Recht erlaubt sich ein Oberst, den Ausschluß eines tüchtigen Soldaten und in seiner bürgerlichen Stellung angesehenen Mannes mit Gründen zur versehen, die der unverdienten Zurücksetzung auch noch schwere persönliche Kränkungen hinzufügen? Andere Menschen brauchen nur keinen Mangel an gesellschaftlichem Taktgefühl gezeigt zu haben; der Jude wird disqualifiziert, weil er nicht den „genügenden Bewei s" erbracht hat, daß er das Taktgefühl hat. Wo das „gesellschaftliche Taktgefühl" in der hier gegebenen Begründung einer Ablehnung liegt, die sich sachlich nicht hat rechtfertigen lassen, entzieht sieh unserer Beurteilung. Daß es so ist, ist selbstverständlich; denn es gibt zweierlei gesellschaftliches Taktgefühl, ein bürgerliches, das wir kennen, und ein militärisches, das wir nicht kennen." Ä L. Be murr, Geschichte des jüdischen Volkes seit der Zerstörung Jerusalems. Calw n. Stuttgart, Vereinsbuchhandlnng, 1908. Es ist gewiß eine dankbare Aufgabe für einen christlichen Geschichtsschreiber, seinen Glaubensgenossen die ihnen meist unbekannt gebliebenen Geschicke des jüdischen Volkes seit dem Verluste seiner palästinensischen Heimat mitzuteilen. Er wird dadurch sowohl ihnen wie den Juden einen großen Dienst leisten. Denn die christliche Gemeinschaft, die von Israeliten verfaßte Werke kaum liest, wird von ihm lernen, was die Juden in den letztverflossenen zwei Jahrtausenden geschaffen, erduldet und überwunden haben; die Israeliten aber werden eine gerechtere Schätzung von seiten ihrer andersgläubigen Mitbürger sowie die guten Folgen der Gewissensnöte erfahren, die jeder ehrlich denkende Christ bei Kenntnisnahme