Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- Stolp i. P.
- Date
- 1908-10-01
- Page
- 582 (sequence 2)
- Language
- German
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582 Im deutschen Reich. hielt. Der Prediger ging dabei auf das Wirken des Großen Kurfürsten zugunsten der Juden, auf ihre Aufnahme durch diesen Fürsten in Brandenburg nach hundertjähriger Verbannung, und auf seine Toleranz ein, die von seiteil der Juden dankbar anerkannt wurde. An der Enthüllungsfeier und an der Begrüßung des Prinzen Eitel-Friedrich durch die Geistlichen im Johanniter-Krankenhause nahm Herr Rabbiner Dr. Silberste in in Amtstracht teil, und er wurde gleich den anderen Geistlichen dem Prinzen vorgestellt. Der erste Vorsteher der Synagogeugemeinde Lauenburg, Herr Or. ine6. Hirschberg, legte im Aufträge der Gemeinde einen Kranz am Denkmal nieder. > Vielofelö, 8. September. Das S ch ächtverbot i n Bielefeld war am 25. August Gegenstand einer Verhandlung des Schöffengerichts daselbst. Die Fleischermeister hatten ohne Rücksicht auf das polizeiliche Verbot durch den geprüften Schächter die Schlachtung nach jüdischem Ritus fortsetzen lassen. Die prinzipielle Seite der Sache, nämlich die Frage, ob gegenüber den Anordnungen der Ministerialinstanz ein polizeiliches Verbot für einzelne Landesteile gültig erlassen werden kann, kam nicht zur Entscheidung. Das Schöffengericht stellte nämlich fest, daß die polizeiliche Verordnung nicht ordnungsmäßig bekanntgemacht war, und gelangte deshalb zur Freisprechung. Das Urteil hat die Rechtskraft erlangt. Auch in War bürg ist Freisprechung von der Anklage der Uebertretung eines polizeilichen Schächtverbots erfolgt. §§ Kaffei, 5. Sept. Der Hauptmann a. D. und jetzige Brotfabrikanr Simons, der als waschechter Antisemit bei verschiedenen Wahlkämpfen stets weidlich auf das „jüdische Großkapital" geschimpft, aber vergeblich 190? in Rinteln-Hofgeismar zum Reichstag und bei den letzten Wahlen zum Landtag kandidiert hat, war kürzlich von einem seiner Wahlhelfer und Angestellten seiner Brotfabrik, namens Belting er, auf rückständige Forderungen verklagt worden. Als Beisitzer am Kaufmannsgericht fungierte an diesem Tag u. a. der jüdische K a u f m a n n Freu n d l i ch , was den antisemitischen Hauptmann zu der Frage an den Vorsitzenden veranlaßte, o b e r sich v o n „j ü d i s dy e n Ele m eilte n". a burteile n lassen müsse. Der Vorsitzende antwortete auf diesen Ausfall nicht, worauf Herr Simons erklärte, den Beisitzer Freund-