Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 9 (September 1908)
- Article
- B. G., Berlin
- Date
- 1908-09-01
- Page
- 536 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316766-2316775--18183-2340564- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
536 Im deutschen Reich. Ullmo blutwenig interessiert haben und sich aus seiner Verurteilung zu lebenslänglicher Deportation keine zweite Dreyfus-Affäre entwickelt hat, ist leicht verständlich!. Ganz abgesehen davon, daß an derSchuldUtlmos kaum zu zweifeln war und dem sittlich haltlosen Menschen höchstens mildernde Umstände hätten zuerkannL werden können, geht uns ein nur v o n I itben stammender, aber nicht mehr dem Jüdentum ungehöriger Marinefähnrich nicht das geringste an. Nicht die Geburt, sondern die Erziehung und der Umgang sind für die Charakterbildung bestimmend und Ullmo ist weder von Juden erzogen noch etwa durch den Umgang mit Juden zum Landesverräter geworden. Daß ihn einige Antisemitenblätter auf Grund der pseudo-wissenschaftlichen Rassentheorie zum „Juden" machen, ändert daran wenig; derartige Kunstgriffe gehören zu ihrem traurigen Geschäft. M. ö. £., Berlin. Aus Ihre Mitteilung, eine Villa in Salck am Gardasee betreffend, erwidern wir, daß nur Angaben unter voller Namensnennung berücksichtigt werden können. D. VTL, Lhcrrlottenburg. Der akademische Bund „Ethos", der bereits vor zwei Jahren seine jüdischen Mitglieder zum Austritt gezwungen hat, beschäftigte sich neuerdings wieder mit seiner Stellung zur Judenfrage, wobei es zwar zu lebhaften Auseinandersetzungen kam, der Antrag auf Zulassung jüdischer Kommilitonen aber doch schließlich! infolge der Stellungnahme des Vorsitzenden, stack. Boelicke, ab gelehnt wurde. Die Erklärung dieses eigentümlichen „Ethikers" lautete wörtlich: „Selbst wenn man zugibt, daß der Ausschluß der Juden, rein ethisch betrachtet, eine gewisse Ungerechtigkeit bedeutet, so ist doch aus taktischen Gründen eine Organisation, die in der deutschen Studentenschaft wirken soll, zu diesem Schritte gezwungen, da sie sich andernfalls selbst den Lebensfaden abschneidet. Diese Stellung des Bundes hat natürlich nicht das geringste zu tun mit der Stellung des einzelnen zum Judentum." — Eine durch taktische Gründe beeinflußte Ethik ist ein echt antisemitisches Gewächs bester Güte! R. G., Aor-Hausen. Von dem in der „Westerländer Kurzeitung" vom 4. August d. I. veröffentlichten Aufruf