Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1908-09-01 · Heft 9 (September 1908) · p. 535

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 9 (September 1908)
Article
Dr. R., Berlin
Date
1908-09-01
Page
535 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316766-2316775--18180-2340563
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Briefkasten. 535 KmrfKasten. Dr. H., Berlin. In dem „Ungarns Ruf im Auslande" überschriebenen Artikel der „Kreuz-Ztg." vom 12. August, wird mit der diesem Blatte eigenen, von keiner Sachkenntnis getrübten,* vorurteilsvollen Gesinnung ausgeführt, daß alle in Ungarn vorhandenen Mißstände (Animierbankiers, Mädchenhandel, Verbreitungunzüchtiger Schriften usw.), lediglich auf die bösen Juden zurückzuführen seien. Die betreffenden judenfeindlichen Behauptungen sucht die „Kreuz- Zeitung" durch ein antisemitisches Zitat aus dem Preßburger Westungarischen Grenzboten" zu begründen; sie übernimmt dabei, geblendet durch ihren Judenhaß, versehentlich auch die Glorifizierung des Magyarentums, dem die von dem frommen Blatte sonst so hochgehaltenen österreichischen Antisemiten durchaus das Recht absprechen, „ein maßgebender Faktor der Habsburgischen Monarchie" zu sein. Daß es höchst überflüssig ist, die anständige und ehrliche Judenschaft Ungarns unter Androhung des gehässigen Antisemitismus davor zu warnen, jüdische Verbrecher in Schutz zu nehmen, wird jeder glauben, der nicht von antisemitischen Vorurteilen besangen ist. Unbefangene, die die ungarischen Verhältnisse genauer kennen, würden auch die Tatsache nicht bestreiten, daß die anständige und ehrliche Judenschaft Ungarns sich schon deshalb eifrig bemüht, den schändlichen Mädchenhandel zu bekämpfen, weil nicht etwa unter den Mädchenhändlern, sondern vielmehr unter deren unglücklichen Opfern infolge von bitterer Armut und ungenügender Bildung sich bedauerlicherweise ein ansehnliches jüdisches Kontingent befindet. Mit demselben Rechte aber, mit dem die „Kreuz-Ztg." die „Juden" für diese traurigen sittlichen Verhältnisse in vereinzelten Schichten verantwortlich zu machen sucht, könnte man z. B. manche, zu den Gesinnungsgenossen des konservativen Blattes gehörenden „anständigen" Gutsbesitzer dafür haftbar machen, daß die westpreußische Weizackergegend und der Spreewald nicht ohne Grund als ergiebige Ammen-Bezugsquellen gelten. B. G., Berlin. Daß die jüdischen Blätter sich für den nach der Teufelsinsel verbannten französischen Fähnrich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.