Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 9 (September 1908)
- Article
- Emden
- Date
- 1908-09-01
- Page
- 525 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 525 gerieten. Am Tage darauf wurde dem antisemitischen Badegast kundgegeben, es wäre für ihn besser, die Insel zu verlassen. Die Frequenz des Bades hat durch den Stimmungswechsel nicht gelitten. Bis zum 17. Juli d. Js. waren 9587 Badegäste angemeldet, während in derselben Zeit im Vorjahre nur 8651 angemeldet waren. X Königshexg i. f>t., 1. August. Der Bescheid, der von dem Kultusminister D r. Holle auf die Beschwerde des Central - Vereins gegen eine in der' Direktorenkonferenz der Provinz Posen gefallene Aeußerung erteilt wurde, ist in der Tagespresse vielfach Gegenstand der Besprechung - gewesen. In der „K ö n i g s b e r g e r Hartungschen Zeitung" wurde an leitender Stelle darüber gesagt: „Die Antwort des Herrn Holle zeigt, daß der preußische Kultusminister die Verhältnisse in Posen nicht kennt. Zu . verwundern ist das weiter nicht; denn selbst das Ministerium des Innern hat im Laufe der Jahre wiederholt überzeugend nachgewiesen, daß es von der Art, wie man in der Provinz Posen moralische Eroberungen machen und das Deutschtum fördern kann, keine Ahnung hat. Alles, was unsere preußische Regierung dort begonnen hat, hat sie verkehrt angefaßt. Zu den vielen üblen Folgen ihrer Polenpolitik gehört auch die, daß die Lage der Juden in der Provinz Posen, in der sie stets ein Bollwerk gegen die Polen waren, immer schlimmer wurde und wird. Die Deutschen werden unterstützt, Deutsche werden herangezogen, die Beamten werden vermehrt; aus der anderen Seite schließen sich die Polen immer stärker zusammen, und zwischen beiden Heerlagern werden die Juden zerrieben. Je weiter sich der zweifelhafte Segen der preußischen Ostmarkenpolitik mit ihren Hunderten von Millionen über die Provinz ergoß, desto unerquicklicher wurde die wirtschaftliche und gesellschaftliche Position der angestammten Juden. Auch die gesellschaftliche. Das Beamtentum der Provinz Posen, namentlich das höhere, ist von ganz besonderem Schlage. Kaum irgendwo findet sich der Kastengeist, zugleich mit Antisemitismus durchtränkt, so ausgeprägt, wie gerade in jenen polnisch-deutschen Städten und Städtchen der Provinz Posen, in denen, wollte man wirklich germanisieren, selbst Standesunterfchiede und Dünkel fallen müßten, die anderswo noch begreiflich, wenn auch lächerlich sind. Und wenn man