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Im deutschen Reich · 1908-09-01 · Heft 9 (September 1908) · p. 515

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 9 (September 1908)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1908-09-01
Page
515 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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Umschau. 515 Universität in bester Weise widerlegt worden. — Das Schimpfen ist eben ein „Privilegium" antisemitischer Professoren. Wenn sich der durch rastlose Befehdung des toten Dichters Heine mehr als durch seine eigenen literarischen Erzeugnisse bekannt gewordene Professor A d o l f B a r t e l s i n W e i m a r gegen die mehrfach aufgetanchte Behauptung, der Antis e m i t.i s m usseini ch L v o r n e h m , aufzulehnen versuchte, so haben ihm auch seine politischen Gesinnungsgenossen in Oesterreich neuerdings wieder Beweise von solcher „vornehmen" Gesinnung geliefert. Bei dem Huldigungsfestzuge anläßlich des sechzigjährigen Regierungsjubiläums des Kaisers Franz Josef glaubte es der Veranstalter der „vornehmen" Bevölkerung Wiens schuldig zu sein, in dem Zuge, der eine Huldigung für den greisen Monarchen bedeuten sollte, auch eine Verhöhnung der Juden nicht fehlen zu lassen. Die Gruppe, welche die Belagerung Wiens durch die Türken darstellte, schloß ein mit Kaftan und Zylinder angetaner Jude, der Kapriolen schlug. Die „begeisterte" Menge wieherte über diese Karrikatur. Dem Geschmack des Monarchen konnte eine solche Roheit nicht entsprechen. Kaum war Kaiser Franz Josef des als „polnischem Juden" verkleideten Antisemiten ansichtig geworden, so gab er seinem Unwillen dem Präsidenten Grafen Wilczek und dem christlich-sozialen Gemeinderat Dr. Klotzberg gegenüber unverhohlenen Ausdruck. „Der heurige Tag," soll der Kaiser gesagt haben, „hätte eher als Friedenstag zwischen den Völkern Oesterreichs dienen sollen und nicht als Gelegenheit zu gegenseitiger Verspottung." Der jüdische Abgeordnete Tr. Straucher hat im Parlament die erwähnte Taktlosigkeit scharf gerügt und als ein Antisemit ihm zurief: „Das ist historisch!" schlagfertig geantwortet: „Das ist nicht historisch. Zur Zeit der Türken-Belagerung gab es keine Juden mir Kaftan und Zylinder. Wenn man Szenen aus dem jüdischen Leben vorführen wollte, hätte man einen Typus jener Juden vorführen können, die 1648 bei der Belagerung Prags durch die Schweden die Prager Brücke heldenmütig verteidigten. Sie sind dafür von Kaiser Ferdinand III. durch Verleihung einer Fahne ausgezeichnet worden. Warum hat man diese Fahne nicht im Festzuge gezeigt?!" Unter heftige:: Zwischenrufen der antisemitischen Abgeordneten erwähnte

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