Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 9 (September 1908)
- Article
- Verkehr mit Rußland
- Date
- 1908-09-01
- Page
- 495 (sequence 13)
- Language
- German
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Verkehr mit Rußland. 495 Zehntausende von ihnen sind dem Lande der Unterdrückung entflohen. Ein neuer Auszug aus Aegypten hat unter einem Zuchtmeister stattgefunden, der härter und strenger als die Pharaone Ramses war. Zehntausende von diesem Volke, die jetzt den Bajonetten und Wutschreien der Kosaken entrückt und fern von den Mord- und Totschlagszenen sind, wohnen jetzt in unserm gastfreundlichen Lande, dessen Wohlfahrt sie wie alle fördern helfen. Sollen wir ihnen jede Möglichkeit benehmen, jemals in die Gebiete zurückzukehren, in denen sie ihre Kindheit verlebten? Können wir ihnen das Recht versagen, denen, die sie zurückließen, eine Botschaft der Hoffnung für die Zukunft zu bringen? Dürfen wir ihnen das Recht versagen, ihre gesetzmäßige Erbfolge in Rußland persönlich. geltend zu machen? Das ist mit der Behauptung unserer Staatsgewalt unverträglich; es verträgt sich nicht mit den Grundsätzen unserer nationalen Politik. Im Mittelalter war unter dem sogenannten Christentum der Jude gezwungen, auf Brust und Rücken einen hellfarbigen Ring zu tragen, damit die in den Gassen spielenden Kinder stehen bleiben, auf ihn mit Fingern zeigen und mit ihm Spott treiben könnten. Heute im zwanzigsten Jahrhundert hat in einem Lande, das durch die fundamentale Gleichberechtigung der Religionen groß geworden ist, unser eigenes Staatsdepartement ein jüdisches Kennzeichen angeheftet. Durch die Vorzimmer unserer Zeit geht wieder der alte „Hep-Hep"- Ruf; sollen wir dulden, daß er ein Echo in unserer Staatsverwaltung findet? Wollen wir es in der Welt bekannt werden lassen, daß wir amtlich zwei Klassen von Bürgern besitzen, eine nichtjüdische und eine jüdische? Daß der erste ein Vollbürger ist und der andere nur ein Bürger durch die Gnade unseres Staatssekretärs und des Kaisers von Rußland? Oder sollen wir dem Titel eines amerikanischen Bürgers den Glanz wieder verschaffen, der sein Geburtsrecht ist? Jetzt muß ich für einen Augenblick mich bei dem Schreiben des Staatssekretärs vom vorigen Sonnabend aufhalten, das man hier nur zu dem Zweck vorgebracht hat, um weine Anfrage zu verhindern. Ich möchte Ihnen, meine Herren von der republikanischen Partei sagen, daß es sich hier um keine Parteisache handelt. Als solche ist sie bisher nie behandelt worden. So lange ich dem Hause angehöre, habe ich nicht