Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- Der richtige Glaube
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 476 (sequence 4)
- Language
- German
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476 Im deutschen Reich. Kränkungen und Zurücksetzungen in seiner akademischen Laufbahn^ ein schon vorhandenes Herzleiden gesteigert und den tödlichen Ausgang beschleunigt zu haben. Daß von mangelnder Qualifikation bei einem Gelehrten wie Adler, dessen Arbeiten über die Geschichte des Sozialismus selbst bei Gegnern seines Standpunktes rückhaltlose Anerkennung gefunden haben, nicht die Rede sein kann, liegt aus der Hand. Es ist immer mißlich, in solchen Fällen persönliche Vergleiche zu ziehen und verdienten Gelehrten, die, jeder in seiner Art, tüchtige und korrekte Leistungen aufzuweisen haben, Zensuren auszustellen, aber daß Adlers Arbeiten an Tiefe und Gründlichkeit der Forschung und Umfang des Wissens denen seiner begünstigteren Mitbewerber mindestens ebenbürtig sind, darüber herrscht bei allen sachkundigen und unvoreingenommenen Beurteilern kaum eine Meinungsverschiedenheit. Adler war ferner ein ganz ausgezeichneter Dozent und trefflicher akademischer Redner, wie ältere und jüngere Zuhörer an allen Universitäten, an denen er wirkte, übereinstimmend bestätigt haben. Auch die persönliche Ehrenhaftigkeit und sittliche Lebensführung des Dahingeschiedenen, der einer gearteten israelitischen Familie en t st ammte, waren über jeden Zweifel erhaben und konnten auch der schärfsten Kritik standhalten. Man wird daher unausweichlich zu der Annahme gedrängt, daß einzig und allein konfessionelle R ü ck s i ch t e n, d. h. Adlers Zugehörigkeit zum Judentum, für seine Ausschließung vom Ordinariat maßgebend gewesen sind. Trotz aller ministeriellen Erklärungen, offiziösen Ableugnungen und akademischen Beschwichtigungsversuche bleibt.es dabei, daß neuerdings in Preußen kein Jude mehr, mag er wissenschaftlich noch so Vo llw er ti g es und Verdienstliches geleistet haben, eine ordentliche Professur erhält. Von dieser Regel ist unseres Wissens nur in ganz vereinzelten Fällen, und zwar nur in der medizinischen Fakultät abgewichen worden. Und auch in diesen wenigen Einzelfällen haben sich, soweit uns bekannt, die betreffenden Gelehrten, wenn nicht vor, so doch unmittelbar nach ihrer Ernennung zum Glaubenswechsel entschlossen. Heine nannte den Taufzettel das Entreebillet zur europäischen Kultur. Das ist er schon lange nicht mehr. Aber unsere Universitäten nehmen, wie es scheint, in dieser — und keines-