Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- Der richtige Glaube
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 474 (sequence 2)
- Language
- German
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474 Im deutschen Reich. eine Reihe wertvoller Beiträge zur Sozialpolitik geliefert und sich insbesondere mit der Geschichte und Kritik des Sozialismus beschäftigt. Ueber seine Bedeutung als Nationälökonom herrscht in den sachwissenschaftlichen Kreisen nur eine Meinung. Wenn dieser begabte Mann, der sich auch in seiner Lebensführung nicht das Geringste zuschulden kommen ließ — bekanntlich wird auch das Privatleben der preußischen Dozenten mit peinlicher Genauigkeit inspiziert — es trotzdem in einer langen Dozententütigkeit und trotz hervorragender wissenschaftlicher Leistungen, nicht zu einer ordentlichen Professur gebracht hat sondern regelmäßig übergangen worden ist, wirft dies ein charakteristisches Licht auf die Zustände, die auch nach dem Abgänge des Ministerialdirektors Althoff noch immer im preußischen Kultusministerium herrschen. Als oberster Leitsatz gilt hier das Prinzip, keinen Israeliten zum ordentlichen Professor zu machen, seine Verdienste um die Wissenschaft mögen so groß sein, wie sie wollen. Georg Adler, der im Anfänge der Vierziger stand, war der Sohn eines Rabbiners aus Posen und hat sich während seiner Dozentenkarriere zum Uebertritt zum Christentum, der noch immer den betreffenden Herren ganz ausdrücklich nahegelegt wird, nicht entschließen könnet:. Seine akademische Laufbahn begann er in Freiburg, wo er sich als Schüler von Lexis als Privatdozent habilitierte. Er ging dann an die Universität Basel und geriet hier in der Frage der Arbeitslosenversicherung in Konflikt mit dem Kanton. Er siedelte nach Berlin über, wo er in den neunziger Jahren als Lehrer der Volkswirtschaft am hiesigen Orientalischen Seminar dozierte. Adler wurde dann als Extraordinarius nach Kiel an die Universität und an die dortige Marineakademie berufen. Bereits vor zwei Jahren ist er dadurch übergangen worden, daß man dem bei weitem jüngeren Kollegen Bernhard die freiwerdende ordentliche Professur für Kiel zuerteilte. Durch die plötzliche Berufung Bernhards nach Berlin war Gelegenheit geboten, das an dem Gelehrten verübte Unrecht wieder gut zu machen. Was tat man? Man überging Georg Adler von neuem und berief den Jenenser Volkswirtschaftler Bernhard Harms an die Stelle Bernhards. Adler, der unter seinen Kollegen wie in der Kieler akademischen Welt überhaupt die lebhaftesten Sympathien ge-