Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 460 (sequence 5)
- Language
- German
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460 Im deutschen Reich. ansässige Jude im allgemeinen Heimatsgesühl für das Posener Land vermissen lasse; er werde hier selten bodenständig, sei vielmehr geneigt, nach dem Westen abzuwandern, sobald er zu Wohlstand gekommen sei oder anderswo bessere Existenzbedingungen sehe. Zum Teil bewegten sich diese Auseinandersetzungen in derselben Richtung wie die auch in der Beschwerdeschrist S. 3 enthaltenen Gedanken. Direktor von Sanden erklärt ausdrücklich, daß ihm jede Absicht einer Beleidigung völlig fern gelegen habe; er hat auch gar nicht von den Juden im allgemeinen gesprochen, sondern von den tatsächlichen Vorgängen in der Provinz Posen, wobei er es nicht unterlassen hat, auch Ausnahmen ausdrücklich zu konstatieren. Daß Direktor von Sanden nicht die Absicht gehabt hat, irgend jemanden zu kränken, geht auch daraus hervor, daß er ganz ohne Ansehen der Person gesprochen hat und es ebenso beklagt hat, daß viele Beamte, die in die Provinz Posen versetzt werden, nach kurzem Wirken alle Hebel in Bewegung setzen, um wieder fortzukommen. Auch alle Zuhörer haben unter dem Eindruck gestanden, daß Verletzendes nicht gesagt oder gedacht ist. Wäre es geschehen, so würde der Vorsitzende, Provinzial- Schulrat Or. Wege, dem sofort entgegengetreten sein. Auch mein bei der Versammlung anwesender Kommissar hat denselben Eindruck gehabt, wie die übrigen Anwesenden. Darnach dürste jede Veranlassung für die Bitte der Beschwerdeschrist vom 31. März, daß ich geeignete Maßnahmen ergreifen möge, um schwere und ungerechtfertigte Beleidigungen einer ganzen Bevölkerungsklasse für die Zukunft zu verhindern, fortfallen. Den mir unterstellten Behörden und Lehrerkollegien liegt die Neigung vollkommen fern, solcher Beleidigungen sich schuldig zu machen. gez.: Holle. An den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens z. Hd. des Herrn Dr. Hör Witz