Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- Gießen
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 453 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316766-2316774--18033-2340399- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen 453 worden, sei keine Beleidigung zu erblicken. Auch wurde dem Beklagten der Schutz des § 193 zugesprochen. — In der zweiten hessischen Kammer brachte das Mitglied des Bauernbundes, Bähr, eine Interpellation ein, die die Versetzung Werners nach Worms betraf und als politische Maßregelung bezeichnete. Bahr erfuhr aber von dem Minister des Innern, Braun, eine gründliche Abfuhr, auf die er mit groben Ausfällen gegen den Minister antwortete, was ihm einen zweimaligen Ordnungsruf eintrug. )( Rotenburg a. F., 25. Juni. Cs ließ sich unschwer voraussehen, daß die Wahlbewegung im Kreise Hersfeld- R o t en b u r g - H ü n f e l'd diesmal eine besonders lebhafte sein werde, ist doch das schöne Land der alten Chatten schon seit Jahrzehnten der klassische Boden des politischen Antisemitismus, und Deutsch-soziale und Reformer sind im Besitze aller hessischen Reichstagsmandate. Seit 10 Jahren wird unser Wahlkreis im preußischen Landtage durch den Reformer Ludwig Werner vertreten, dem auch das Mandat für den Reichstag anvertraut ist. Als nun am 3. d. M. aufs neue das Landtagsmandat zu vergeben war, wurde es sogar von zwei antisemitischen Kandidaten erstrebt. Der im Kreise ansässige Reffe des bekannten christlich-sozialen Pastors Bodelschwingh zu Bethel bei Bielefeld, Franz v. Bodelschwingh, hatte sich vom Bund der Landwirte auf den Schild erheben lassen. Der hochseudale westfälische Adelssproß, ein unverfälschter antisemitischer Heißsporn, der schon bei der vorigen Reichstagswahl erfolglos gegen den Abg. Werner kandidierte, versuchte bei der jetzigen Landtagswahl auf den bisherigen Besitzer des Mandats, Werner, dahin einzuwlrken, zu seinen Gunsten zu verzichten. Da ihm dies nicht gelang, verfiel er auf einen genialen Schachzug. Um die von konservativer Seite schon seit längerer Zeit geplante Kandidatur des Landrats T u e r ck e in Rotenburg unmöglich zu machen, setzte er in einer Versammlung des Bundes der Landwirte den Beschluß durch, politische Beamte als Kandidaten abzulehnen. Um eine Verzichtleistung des gemäßigt konservativen Landrats zu erzwingen, ließ er sich nun vom Bund der Landwirte, bevor noch die konservative Parteileitung sich schlüssig machen konnte, als Kandidaten nominieren. Auf dem Kampfplatze erschienen nun zwei Anti-