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Im deutschen Reich · 1908-06-01 · Heft 6 (Juni 1908) · p. 378

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 6 (Juni 1908)
Article
Blutmärchen
Date
1908-06-01
Page
378 (sequence 3)
Language
German
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378 Im deutschen Reich. laßte das Bauernmädchen Martha Mark, die bei dem jüdischen Geschäftsführer Jsak Bernstein in Sjinervaralja als Kindermädchen dienende Flora Bujilla zu entführen, um durch ihr zeitweises Verschwinden die Veranstaltung einer Judenhetze zu ermöglichen. Das zu diesem Zweck eingesperrte Kindermädchen entkam aber aus ihrer Haft, flüchtete zu ihrer Mutter nach Borhid, die den Vorfall dem Bernstein berichtete, der darauf dem Obersten Gerichte Anzeige machte. Das Ergebnis der eingehenden Untersuchung ist noch nicht bekannt. — In Siebenbürgen geriet am 20. April infolge des Verschwindens eines kleinen Töchterchens eines gewissen Dobra der Schächter der jüdischen Gemeinde in Siena, Jakob Perlmutter, in Lebensgefahr, aus der ihn der zufällig vorüberpassierende Gendarmenposten noch rechtzeitig errettete. Die Gendarmen ermittelten die Leiche in einer zur Wohnung der Eltern des Kindes gehörenden Kammer; es war in einem Wasserbottich ertrunken. Die Eltern sind wegen sträflicher Unachtsamkeit, mehrere Arbeiter wegen Bedrohung des Schächters in Untersuchung. Aehnliche Vorfälle sind in diesem Frühjahr aus Rußland und aus B u l garten berichtet worden; in allen Fällen hat sich die Schuldlosigkeit der dabei beschuldigten Juden und die schändliche Absicht der Urheber der betreffenden Gerüchte herausgestellt. In allen Fällen ist nach demselben antisemitischen Rezept gearbeitet worden, itnb es ist weder den Verführern noch den Verführten zugute zu halten, daß ihr fast immer durch behördliches Eingreifen vereiteltes wüstes Treiben nicht zu Blutvergießen geführt hat. Daß die alberne Ritualmordlüge nicht anszurotten ist, erklärt sich durch die traurige Wahrheit, daß mit der Dummheit selbst die Götter vergebens kämpfen. Der Hydra des Hasses wachsen immer neue Köpfe, aber schließlich läßt sie sich doch besiegen; die Dummheit aber ist unsterblich wie die Lüge, und „was sich nie und nirgends hat begebe n", das allein veraltet nie! A. L. *

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