Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1908-06-01 · Heft 6 (Juni 1908) · p. 375

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 6 (Juni 1908)
Article
B. M., Gießen
Date
1908-06-01
Page
375 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316766-2316773--17901-2340228
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Briefkasten. .Gießen, ist bekanntlich nach Worms versetzt worden. Ein Gesuch um Rückgängigmachung der Versetzung wurde damit beantwortet, daß Herr Dr. Werner schon am 27. April seine neue Stellung anzutreten habe. Die angeblich (?) aus dienstlichen Gründen erfolgte Versetzung entbehrt nicht eines politischen Beigeschmacks, wenn man bedenkt, daß führende Juden in Gießen schon gleich nach den im Herbst 1907 erfolgten Stadtverordnetenwahlen triumphierend von der baldigen Versetzung berichten konnten. Die toleranten Leute konnten sich ihres politischen Gegners nicht anders erwehren, als daß sie sich über ihn beim hessischen Ministerium beschwerten. Die jüdische Kurzsichtigkeit in solchen Dingen bleibt sich immer gleich. In Gießen ist durch die Tatkraft Dr. Werners der deutsch-soziale Baum wurzelfest gewachsen; in Worms fehlte bislang der rechte Obergärtner." — Das stimmt: Die Wormser meinen wahrscheinlich auch: „Der hat uns gerade gefehlt!" p. N., Woxms. Es ist wohl kein Zufall, daß die „Wormser Zeitung" in derselben Nummer, in der sie über den „S ü d w e st d e u t s ch e n Handlungsgehilfe n t a g" der „D eu t s ch n a ti o n al en" berichtet, einen Leitartikel bringt, in dem es beklagt wird, wie sehr das Niveau des Reichstages durch die Mitgliedschaft besoldeter Vertreter von Jnteressentengruppen sinken muß. „Solche Männer," schreibt sie (Schack ist dafür wohl ein Beispiel? Die Red.), „sind einfach gezwungen, fortgesetzt diligentiam zu prästieren, bei jeder Frage, bei der auch nur von fern die Interessen ihrer Organisation berührt werden, sich zu melden und ihr Sprüchlein zu sagen. Dazu, meinen sie, sind sie angestellt. Dafür werden sie bezahlt. Draußen vor den Toren des Reichstags stehen ihre Arbeitgeber, die zugleich ihre Wähler sind." Wir glauben trotzdeur nicht, daß der Abgeordnete Hehl von Herrnsheim auf diese Weise eine Trennungslinie zwischen sich und Schack ziehen will, sonst hätte er nicht der Versammlung der Schackschen Arbeitgeber beigewohnt. Die Eisenacher Agrarier werden sich freilich wohl überlegen, ob sie den Hamburger Arbeitnehmer des Handlungsgehilfenverbandes nochmals als ihren Erwählten in den Reichstag schicken.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.