Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- Charles L. Hallgarten
- Date
- 1908-06-01
- Page
- 346 (sequence 2)
- Language
- German
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346 Im deutschen Reich. Charles L. Hallgarten war am 18. November. 1838 in Mainz geboren; er ist also nahezu siebzig Jahre alt geworden. Sein Vater war Kaufmann und wanderte in den 1850er Jahren nach Amerika aus. In New-Uork gründete er das Bankhaus Hallgarien & Co., das heute noch besteht und diesen Namen führt. Charles L. Hallgarten war mit seinen Brüdern im väterlichen Unternehmen tätig und brachte es darin zu hohem Ansehen. Vor etwa 25 Jahren verlegte er seinen Wohnsitz nach Frankfurt und hier wandte er sein Interesse und seine Teilnahme der Wohlfahrtspflege und der s o zialenFü r s o r g e mit einer Begeisterung und Opferfreudigkeit zu, daß es schier unmöglich sein dürfte, hier alle seine Schöpfungen und Förderungen auf diesem Gebiete einzeln aufzuführen. Seine Wohltätigkeit, die er mit weiser Umsicht und innerer Anteilnahme übte, kannte keine Grenze. So war von ergreifender Wirkung, was Pfarrer Battenberg an der Bahre des Menfchenbeglückers, Charles Hallgarten, in beredten Worten nicht als Vertreter einer Gruppe, sondern als Christ zum Juden sprach. Er führte wörtlich folgendes aus: „Als Christen müssen - nur diesem Edelsten der Juden unseren Dank und unsere Verehrung aussprechen. So wahr er die Interessen der jüdischen Gemeinschaft vertrat, so war er wie kaum irgend einer frei von konfessionellen Einseitigkeiten. Er wußte, daß der Herzschlag aller Religionen die Liebe ist, und daß wahre Menschenliebe das Gemeingut aller guten Religionen ist, und keine einzige Konfession das Recht hat, sie besonders in Anspruch zu nehmen. Ich weiß es, wie unendlich sein edles Wirken auch Christen gegenüber war, auch da, wo er offenen Undank erfahren hat, wo er Kampf und Feindschaft erntete für das, was er so freudig an Christen Gutes getan hat. Er ist uns ein Vorbild echter Toleranz, ein Vorbild, daß es etwas Höheres gibt als die Einseitigkeit der Konfession: reines liebevolles Menschentum. So danke ich Dir im Namen der vielen Tausenden von Christen, die Du, ohne nach ihrem Standpunkt zu fragen, oft und reich unterstützt hast. Ruhe sanft, Tu warst ein edler Mensch!"