Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1908)
- Article
- Dessau
- Date
- 1908-05-01
- Page
- 313 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316766-2316772--17792-2340077- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen 31 nicht schuldig, sondern schrieb bald darauf an derselben Stelle: Die Deutschnationalen schlössen die Juden aus Antisemitismus aus, den sie auch sonst, namentlich bei Reichstagswahlen, au vielen Orten betätigt haben. Diese antisemitische Praxis könne der Herr Deutschnationale nicht aus der Welt schaffen. Ein Deutschnationaler, der auf Ehre halte, sollte dankbar sein, wenn er der peinlichen Lage enthoben würde, bei einem Juden, den er der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung nicht für würdig erachte, angestellt zu sein. In einem „letzten Wort an Herrn Dr. Cohn" wurde der Deutschnationale sentimental. Er wies darauf hin, daß 1903 die Tessauer Mitglieder des D. H. V. für Herrn Kommerzienrat Roesicke und im Vorjahre für Herrn Schräder gestimmt hätten und in Magdeburg für den Freisinnigen Kobelt eingetreten seien. Man könne ihnen also doch nicht gut antisemitische Praxis vorwerfen. Herr Dr. Cohn habe an das Ehrgefühl der Deutschnationalen appelliert; aber dann hätte er es auch nicht mit seinem Ehrgefühl vereinbaren können, 511m Brotlosmachen verheirateter Mitglieder aufzufordern. — Herr Dr. Cohn hat auf diesen letzten Angriff eine Antwort nicht mehr für nötig gehalten. Es genügte ihm das prinzipielle A ü l e u g n e n des A n t i s e m itis in u s durch die Deutschnationalen, das gerade in unseren jetzigen Verhältnissen eine nicht zu unterschätzende Bedeutung hat und die k a tz e n j ä m in e r l i ch e S t i m m u n g i n d e n Kr e i s e n d e r s 0 n st s 0 übe r m ütigen deutsch-nationalen Handlungsgehilfen trefflich charakterisiert. Bei dieser Gelegenheit bemerken wir, daß der Deutsch-nationale Handlungsgehilfen-Verband die früher in seinem amtlichen Organe ausgesprochene Absicht, die Sp.erre über alle jüdischen Geschäfte z u verhängen, s 0 b al d er g enü gend gestärkt würde, bisher nicht zurückgenommen hat. Solange dies nicht geschehen, bleibt der Schandfleck des Antisemitismus auf ihm haften.? Gießen, 15. April. Vor der hiesigen Strafkammer hatte sich am 3. d. Mi der antisemitische Landtagsabgeordnete Otto H i r s ch e l - Friedeberg wegen Unterschlagung zu verantworten. Er war beschuldigt, 1500 Mark für die landwirtschaftliche Hauptgenossenschaft zu Friedeberg i. H. widerrechtlich vereinnahmt und erst verspätet abgeliefert zu haben. Im vorgestrigen