Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1908)
- Article
- Braunschweig
- Date
- 1908-05-01
- Page
- 312 (sequence 1)
- Language
- German
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312 Iw deutschen Reich. R. Vrannschrveig, 15. April. Kürzlich hat der Herzog- Regent der hiesigen Synagoge einen einstündigen Besuch abgestattet und dabei großes Interesse und Verständnis für die jüdischen Gebräuche bekundet. Da durch Ernennung eines jüdischen Anwalts zum Notar mit dem bisherigen Kurse gebrochen worden ist, wird auch der Herzog-' liche Besuch der Synagoge hier von jüdischer Seite als ein Anzeichen wesentlicher Besserung der Verhältnisse ausgefaßt, zumal das Ministerium durch das neue Judengesetz die Braunschweiger Gemeinden zu öffentlich-rechtlichen Korporationen gemacht hat. A. Dessau, 14. April. Im „Anhaltischen Staats-Anzeiger" wurde am 29. März ein „Eingesandt" mit der Unterschrift „Ein D euts ch nationaler" veröffentlicht, in dem der anonyme Einsender die Aeußerung des Herrn Abg. Dr. Cohn in der Posener Central-Vereins-Versammlung, die jüdischen Prinzipale möchten die bei ihnen angestellten Deutschnationalen hinauswerfen, dazu benutzte, Herrn Dr. Cohn als einen Gegner der Koalitionsfreiheit hinzustellen. In einer späteren Nummer desselben Blattes erwiderte Herr Dr. Cohn, die Deutschnationalen nähmen nach ihren Statuten und ihrer Praxis Deutsche jüdischen Glaubens in ihrem Verband nicht auf; ihr Führer Schack sei antisemitischer Abgeordneter, und, wo antisemitische Kandidaten zum Reichstag aufgestellt werden, hätten regelmäßig die deutschnationalen Handlungsgehilfen ihnen Wahlhilfe geleistet. Trotzdem verschmähen sie es nicht, sich bei deutschen Prinzipalen jüdischen Glaubens einzudrängen. Es sei deshalb Ehrensache für' einen Deutschen jüdis che n Glaubens, einen, der ihm die staatsbürgerlichen Rechte nehmen will, nicht in s ein em Geschäft als Mitarbeiter zu d u l d e n. Das habe mit der K o a l i t i o n s s r e i h e i t nicht das mindeste z u tun. Der DeuLschnationale erwiderte bald daraus in einem abermaligen Eingesandt, es gebe genug politische Parteien, die praktischen Antisemitismus treiben; gegen diese möge Herr Dr. Cohn sich wenden, aber nicht gegen die Handlungsgehilfen, die in gewissem Sinne wehrlos seien; möge er sich in den Reichstag wählen lassen, um dort gegen seine Widersacher loszugehen. Herr Dr. Cohn blieb die Antwort