Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 4 (April 1908)
- Article
- C. H., Hamburg
- Date
- 1908-04-01
- Page
- 255 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefkasten. 255 Glaubens ohne Unterschieb der religiösen und politischen Richtungen zur tatkräftigen Wahrung ihrer staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung zu sammeln." Damit ist unsere Verhaltungslinie derart vorgeschrieben, daß wir uns nicht an eine politische Fraktion binden und unsere Vereinsmitglieder für eine besondere politische Richtung verpflichten dürfen. Unsere politische Tätigkeit muß sich darauf beschränken, überall dort, wo ein. entschiedener Gegner der Gleichberechtigung der deutschen Juden Aussicht hat, ein Mandat zu erringen, dessen Wahl durch Unterst ützung eines aussichtsvollen Gegenkandidaten möglichst zu verhindern. Daß wir dies in allen Fällen getan haben, wo der Kampf nicht völlig aussichtslos war, ist in so weiten Kreisen bekannt, daß es eigentlich kaum der Mühe verlohnt, ein Wort darüber zu verlieren. Wollten wir den wenigen, die sich darüber die Köpfe zerbrechen, ob wir dabei zu viel oder zu wenig getan haben, öffentlich Rechenschaft ablegen, so hieße das nur, Wasser auf die Mühlen unserer Gegner liefern und diesen die erwünschte Möglichkeit bieten, einen ihnen unbequemen Kandidaten als „Jud enschützling" und eine ihnen entgegenarbeitende Partei als „Judensch utz truppe" zu bezeichnen und bei gewissen nicht ganz charakterfesten Wählern zu diskreditieren. Gerade bei dem Wahlkampf im Kreise Emden-Norden- Leer-Weener, wo trotz der unermüdlichen Tätigkeit der Antisemiten ihr Kandidat, Rechtsanwalt G r o e n e v e l d, einen schweren Stand gegen den freisinnigen Kandidaten Fegter und gegen den nationalliberalen Oberbürgermeister Fürbringer gehabt hat, ist das, was von seiten unseres Central-Vereins geschehen ist, bereits von den „Deutsch-Sozialen Blättern" mehr als uns lieb ist betont worden und hat das Liebermannsche Organ zu dem Angstruf veranlaßt: „Vielleicht macht sich noch die Alliance israelite gegen uns mobil: nun, viel Feind, viel Ehr! Wenn auch die feindlichen Pfeile so zahllos auf uns fliegen, daß die Sonne dadurch verdunkelt wird, dann fechten wir eben im Schatten." — Für Politiker, die zwar keine Spartaner, aber als echte Liebermänner vorzugsweise Dunkel m ä n n e r sind, ist diese K a m p f a r t a u ch d i e geratenste! Die Redaktion des