Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 4 (April 1908)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1908-04-01
- Page
- 240 (sequence 2)
- Language
- German
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240 Im deutschen Reich. m a u i st e n R e u ch l i n al s V e r t e i d i g e r d e s j n d i s ch e n SchrifLLu m §" und schilderte auf Grund eines reichhaltigen geschichtlichen bezw. archivalischen Materials den berühmten „Talmndstreit", den der für Wahrheit und Recht begeisterte Gelehrte am Anfang des 16. Jahrhunderts gegen den getauften Juden Pfefferkorn und die diesen unterstützenden Dominikaner in zähester Weise mit schließlichem Erfolg durchgekämpft hat. Wurde diese Fehde auch nicht eigentlich für Juden, sondern für die Freiheit der Wissenschaft gegen die Dunkelmänner geführt, so hat sie doch wesentlich dazu gedient, nichtjüdische Kreise von der großen Bedeutung und dem dauernden Wert des jüdischen Schrifttums zu überzeugen und den Beweis zu liefern, daß die noch heute von judenfeindlichen Kreisen immer wieder aufgefrischten Verdächtigungen des Talmuds und der anderen rabbinischen Schriften auf Unwissenheit oder Verleumdungen feiler Konvertiten beruhen, die, wie der getaufte Jude Pfefferkorn zur Zeit Reuchlins und ähnliche Ueberläufer in unserer Zeit (Briman u. a. m.), sich durch Verballhornisierungen einzelner Stellen in jüdischen Schriften an ihren früheren Glaubensgenossen rächen oder bei einzelnen Dunkelmännern unter ihren neuen Glaubensgenossen eine einträgliche Stellung zu verschaffen suchten. Derartige Fälscher treiben noch heute ihr trauriges Gewerbe, aber immer seltener werden die nichtjüdischen Kenner des rabbinischen Schrifttums, die, in die Fußtapfen Reuchlins und Ulrichs von Hutten tretend, nicht nur jenen das Handwerk zu legen, sondern auch die Macht der Dunkelmänner zu brechen suchen, die nicht nur den Juden, sondern dem gesamten deutschen Volke Unheil bringt. Nachdem dem Vortragenden lebhafter Beifall gezollt worden war, drückte der Vorsitzende dem Redner für seine interessanten Darlegungen den Dank des Vorstandes aus. Auf die aktuelle Bedeutung des Themas verweisend, zeigte Herr Sanitätsrat Dr. Wiese n L h a l, daß unsere zeitgenössischen „Pfefferkörner", genau so wie einst der Gegner des wahrheitsliebenden Reuchlins, von gefährlichen jüdischen Geheimschriften gefaselt und eine ,,antisemitische" (Übersetzung des Talmuds durchzusetzen versucht haben, daß aber bereits durch die Begründer des Abwehrvereins in verdienstvoller Weise dieser Maulwurfsarbeit entgegengewirkt worden sei. Der Antisemitismus sei aber eine