Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 3 (März 1908)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1908-03-01
- Page
- 185 (sequence 4)
- Language
- German
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Bereiusnachrichten. 185 „Der Ceutral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt anr Mittwoch, den 22. Januar, im großen Saale des Apollotheaters eine überaus stark besuchte Versammlung ab. Es waren wohl über 1000 Personen anwesend, die Saal und Logen bis auf den letzten Platz füllten. Der Borsitzende, Herr Rechtsanwalt Kirf ch n e r, eröffnete die Versammlung, indem er die Delegierten aus der Provinz begrüßte und mit ehrenden Worten des verstorbenen Komitee- Mitglieds, Herrn Buchhändler Jolowiez, gedachte. Sodann nahm Herr Landtagsabgeordneter Rechtsanwalt Eh'. Cohn aus D e s s a u das Wort zu seinem Vorträge: „W ie wahrt der d eu ts ch e Jude sein R echt?" In beredten Worten schildere der Vortragende die vielfachen Zurücksetzungen, die die jüdische!: Glaubensgenossen von früher Jugend an zu erdulden, haben. Die verfassungsmäßig gewährleistete Gleichberechtigung stände inuner noch auf denn Papier. Die Verwaltungskörper fragten bei allen Anstellungen nach wie vor nach der Religion des Bewerbers. Dieses, den: Wortlaute und der Idee des Gesetzes widersprechende Verhalten der staatlichen Organe veranlasse zahlreiche Uebertritte zur staatlich bevorzugten Religio!: aus rein äußerlichen Gründen, um sich finanzielle Vorteile oder eine Stellung als Beamter zu verschaffen. Selbst im Handwerk, in der Industrie und im Kaufmannsstande hätten die Juden mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die einflußreichen Organe im Staatsleben setzten geradezu eine Prämie aus Feigheit und Gesinnungslosigkeit. Es sei die Aufgabe der mannigfachen jüdischen Organisationen, auf die schwächeren Charaktere erzieherisch eiuzulvirken und ihnen das Rückgrat zu stärken. Der Redner schilderte sodann die Tätigkeit des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes, des Verbandes der deutschen Juden, des Hilfs-Vereins, der jüdischen Logen, der mannigfachen neueren Bestrebungen und zuletzt in eingehender Weise die Tätigkeit der größten und einflußreichsten Organisation des Een trat-Der eins. Er wies darauf hin, daß der Central- Verein in den Wegen G a b r i e ( R iesser s wandelnd, zuerst den Juden klar gemacht habe, daß sie eine:: Anspruch auf volle Gleichberechtigung hätten, und daß sie nach Recht und Verfassung ebensogut Staatsbürger seien wie die Angehörigen anderer Bekenntnisse. Als der Redner am Schlüsse