Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1908-03-01 · Heft 3 (März 1908) · p. 176

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 3 (März 1908)
Article
Hamburg
Date
1908-03-01
Page
176 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2316602-2316766-2316770-2339693--17547-2339790
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

176 Im deutschen Reich. und 4 das Georgskreuz. Nicht minder rühmlich beteiligten sich die österreichischen Juden am Befreiungskriege; rührend ist die überlieferte Ansprache des Rabbiners Landau in Prag an die ersten dort ausgehobenen jüdischen Rekruten. Aus Hamburg erwähnte der Redner den rühmlichen Anteil der jüdischen Aerzte an den Wohltätigkeitsbestrebungen jener Zeit. Auf das Gebiet der Wohltätigkeit überhaupt übergehend, wies er auf die großartigen Opfer hin, die in jener Zeit in Wien die aus Berlin stammende Freifrau von Arnstein für patriotische Zwecke gebracht habe, und die auch zum Teil dem Befreiungskampf der Tiroler zugute gekommen seien, allerdings mit dem seltsamen Erfolge, daß die Freiheitskämpfer in Hohenems sich zunächst an die Plünderung der Judenhäuser machten. Im Salon der Frau von Arnstein sah man aber nicht nur den Führer der Tiroler Freiheitshelden, Haßlinger, sondern zur Zeit des Wiener Kongresses die Elite der europäischen Fürsten und Diplomaten. Der von diesem Hause ausgehende Geist hat wohl auch zur Ausnahme der Emanzipationszusicherung in die Kongreß-Akte beigetragen. Allerdings gelang es dem sophistischen Geschick des Hofrats Gentz, durch eine unscheinbare Aenderung gerade die Hamburger Juden um den Erfolg der Emanzipation zu bringen; statt, wie beabsichtigt, die Befreiung, welche „in den Bundesstaaten" gewährt worden war, zu sanktionieren, beschränkte man sich auf die „von den Bundesstaaten" gewährte Befreiung. Damit war die Hamburger Judenschaft, welche von den Franzosen und nicht von der einheimischen Regierung ihr Bürgerrecht erhalten hatte, von dieser Segnung ausgeschlossen. Herr Rabbiner Or. Grunwald, welcher durchweg verstand, sein interessantes Thema in Beziehungen zum Central-Berein zu setzen, schloß mit einem lebhaften Appell namentlich an die Frauen, im Sinne der Selbstbefreiung im Rahmen des Vereins gegen Haß und Vorurteil weiter zu arbeiten, und an alle Anwesenden, sich ihrer * Ahnen würdig zu zeigen. — Hierauf ergriff Herr Justizrat Lövinson aus Berlin, der Delegierte des Central-Vorstandes, das Wort zu einem kurzen Geschäftsbericht. Er zeigte den weiter fortdauernden politischen und gesellschaftlichen Antisemitismus, gegen den sich die Tätigkeit des Central-Vereins zu richten habe. Wenn auch manche Erscheinungen seit dem Auftreten des Central-Vereins eine er-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.