Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 3 (März 1908)
- Article
- Stettin
- Date
- 1908-03-01
- Page
- 173 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 173 ziehen, sind durch die maßvolle und zielbewußte Leitung des Vereins zerstreut worden; die Zahl der Leisetreter, die immer nur rieten, der Jude solle sich von allem nur ruhig zurückziehen, damit man möglichst wenig von ihm spreche, wurde mit der Zeit immer geringer. Redner ging dann aus das Wesen des Central-Vereins näher ein und rühmte dabei insbesondere seine innere Missionstätigkeit, die Anregungen zur Selbstprüfung und Selbsterziehung der deutschen Juden. Der Referent suchte nachzuweisen, wie das jüdische Parvenutum und Strebertum entstand, das sich in früheren Jahrzehnten nach dem Uebergang aus der Unterdrückung zur Freiheit bildete und mehr und mehr entschwindet; er verwies dann auf die stets im Judentum vorhanden gewesene Vorliebe für das Studieren gelehrter Schriften und die Achtung vor solchen Bestrebungen. Wir haben aufgehört, nervös zu sein, wenn das Wort Jude an unser Ohr tönt. Wir führen diesen Namen als eine Art Ehrentitel, wie dies seinerzeit die „Geusen" getan haben. „Unser Kampf für das Judentum ist aber auch ein Kampf für den Fortschritt der Kultur und Ethik; es gilt nicht einen Kampf für jüdisches Recht, sondern für das allgemeine Recht, denn, wer irgendwo das Recht beugt, versündigt sich am gesamten Recht!" Referent kam dann auf die Taufen zu sprechen und hob hervor, daß es keiner von uns zu bedauern braucht, wenn charakterlose Menschen von uns gehen, denn die jüdische Streitmacht solle ein Elite- Korps sein, in dem jene nicht Platz gefunden haben. Leider zahlt heute der Staat für diese Charakterlosigkeit. noch einen Lohn, wie das die Statistik Breslauers beweise. Umsomehr sei es unsere Pflicht, jene Ueberläufer zu brandmarken, insbesondere diejenigen, die die noch viel schlimmere Sünde begehen, ihre unmündigen Kinder taufen zu lassen. Denn damit beweisen sie erst recht, daß es ihnen nicht darauf ankommt, daß ihre Kinder dereinst ihren Mann im Kampf ums Dasein stehen, sondern daß sie nur Karriere machen sollen. Nach diesen allgemeinen Ausführungen besprach der Redner noch die Entwicklung des Central-Vereins und insbesondere seine Beziehungen zu den Behörden. Zum Schluß ermahnte er zur eifrigen Mitarbeit und zur Betätigung des richtigen Selbstbewußtseins, auf daß ein jeder von sich das Goethesche Wort sagen könne: