Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 3 (März 1908)
- Article
- Breslau
- Date
- 1908-03-01
- Page
- 172 (sequence 2)
- Language
- German
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172 Im deutschen Reich. dem Kommunaletat zu übernehmen. Die vierktassige Schule wird nun, nachdem die Stadtgemeinde sich ihrer angenommen hat, den anderen städtischen Volksschulen gleichberechtigt an die Seite treten und ihren Ausbau in eine vollklassige Anstalt erfahren. Zu diesem Zwecke ist schon jetzt die Anstellung von zwei jüdischen Lehrerinne n in Aussicht genommen. Das nicht' unbeträchtliche Vermögen der Anstalt wird der Schule verbleiben und unter Verwaltung des Magistrats für die Zwecke derselben Verwendung, finden. □ Stettin, 15. Februar. (Verspätet.) Am 4. v. M. hat hier eine vom L o k a l a u s f ch u ß des C e n t r a l - V e r e i n s einberufene, von Justizrat I) r. Lew in geleitete öffentliche Versammlung stattgefunden, auf deren Tagesordnung neben zwei Referaten die Gründung einer Ortsgruppe stand. Als erster Referent berichtete Herr Dr. E h r enberg über die in Frankfurt stattgehabte Tagung des Verbandes der deutschen Juden, der er als Vertreter der hiesigen Gemeinde beigewohnt hatte, unter besonderer Hervorhebung der tiefen persönlichen Eindrücke, die er von der Tagung erhalten hat. Sodann nahm der vom Hauptvorstand entsandte Herr Rechtsanwalt B r o d n i tz -B e r lin das Wort zu einem etwa einstündigen Referat über die 15 jährige Arbeit des Central- Vereins. Anschließend an den vorangegangenen Bericht über bcu Tag von Frankfurt, der nicht einer der üblichen Kongresse, sondern ein Erlebnis für alle gewesen sei, die auf der Wacht im Kampfe für das Judentum stehen. Einen Teil des Verdienstes an der Wiedererweckung des jüdischen Selbstbewußtseins, aus dem jene Versammlung erst hervorgehen konnte, dürfe der Central-Verein für sich in Anspruch nehmen. Noch sei es keine Zeit, Lobeshymneu ertönen zu lassen, es gebe noch Arbeit genug. Manches, ja sogar vieles sei aber doch in den 15 Jahren besser geworden. Der Central-Verein hatte anfangs manchen Widerfacher; allmählich aber hat sich das Verständnis für seine Absichten weiter verbreitet, und heute zählt er nur noch wenige Gegner aber unzählige begeisterte Anhänger unter den Juden aller religiösen und politischen Schattierungen. Die Befürchtung, die Bestrebungen des Central-Vereins für volle Erreichung staatlicher Rechte könnten den Antisemitismus erst recht groß-