Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 3 (März 1908)
- Article
- Der deutsch-nationale Handlungsgehilfen-Verband als Friedensengel
- Date
- 1908-03-01
- Page
- 139 (sequence 3)
- Language
- German
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Der Deutsch-naL. Handlungsgehilfen-Verband als Friedensengel. \% worden. Täglich berichten die Blätter, daß die Anschauung der Königsberger in immer weiteren Kreisen Anerkennung und Zustimmung findet. Im Zweifel könnte ment darüber sein, ob der D. in der Tat beabsichtigt, aus der vorgeschlagenen Grundlage des Ausschlusses seiner JudenfeindschafL weiter zu verhandeln. Was bis jetzt darüber bekannt geworden ist, läßt auf eine verschiedene Auffassung unter den Leitern des D. H.-V. schließen. In einer Versammlung des D. H.-V. in Schöneberg erklärte der Leiter der Nürnberger Agitation, Herr Thomas, den man sich dazu wohl.eigens verschrieben hatte, „daß er den Juden im Leipziger Verband, wenn dieser zu den Hamburgern käme, Fahrkarten nach Jerusalem zur Verfügung stelle". Mit anderen Worten, er hielt den Antisemitistults für den eigentlichen Hauptpunkt derStandesbewegnng im Sinne seines Hamburger D. H.-V. Anders scheint Herr Schack selbst darüber zu denken. Er ist wohl nicht der erste „Deutschnationale" Politiker, der sich nach seinem Eintritt in den Reichstag davon überzeugen mußte, daß die von ihm bisher für jüdisch angesehenen, ihm unangenehmen Charaktereigenschaften gerade uingekehrt bei solchen Politikern recht unangenehm in die Erscheinung treten, die sich selbst für „deutsch", für „patriotisch" und vor allen Dingen für „tugendhaft" und „wahr" als „echte Teutonen" ausgeben. Vielleicht hat Herr Schack int Reichstag tntd tu Berlin die Erfahrung gemacht, daß man die von ihm friiher für rein germanische Tugenden angesehenen Charaktereigenschaften des Fleißes, der Nüchternheit, der Aufrichtigkeit und Zuverlässigkeit in weit höherem Maße bei Juden findet als in den Kreisen antisemitischer Reichstagsabgeordneter. Vielleicht haben gerade diese Erfahrungen ihn dazu bewogen, den Judenparagraphen seines Verbandes nicht mehr für den Angelpunkt seines Programms anzusehen. Denn in der Tat scheint Herr Schack nicht abgeneigt zu sein, diesen Paragraphen bei den Verhandlungen zu streichen. In der neuesten Nummer seiner „Handels-Wacht" überschreibt er bett von ihm selbst mit volle in Namen gezeichneten Leitartikel mit dem Motto von Hebbel: „An kleinen Dingen muß ntan sich nicht stoßen, Wenn man ju Großem auf dem Wege ist."