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Im deutschen Reich · 1908-01-01 · Heft 1 (Januar 1908) · p. 62

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 1 (Januar 1908)
Article
Aus Wielands "Teutschem Merkur"
Date
1908-01-01
Page
62 (sequence 2)
Language
German
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62 Zw demschen Reich. Doktor K., erzählt der Berichterstatter von dieser Judenverzollung. „Wo ein Adler steht, müssen sie einen Zollzetrel lösen und denselben, damit sie keine Zoübude überschlagen, auf dem nächsten Zollamte vorzeigen. Wenn Juden auf die Post kommen, so müssen die Postmeister zuseden, ob sie auch auf den Zollämtern ihre Scheine gelöst haben. Unser armer Jude (der aus Paris kam und nur noch wenige Meilen von Berlin entfernt war) machte diese Tour zum ersten Male in seinem Leben und saß noch dazu in einem bedeckten Wagen, so daß es fast unmöglich war, alle Zolladler zu bemerken. . . Indessen waren die üorigen Passagiere, die ihn alle lieb gewonnen hatten, so gefällig, ihn jedesmal zu erinnern, wenn ein Zollamt am Wege lag. damit er sich einen Zettel lösen könne. Sobald wir im Posthause ankamen, ging der Postmeister auf den Juden zu und sagte: Wo hast Du Deinen Zettel, Jude? Uns verdroß diese grobe Anrede, aber der Jude lächelte nur und zeigte seine Zollscheine vor. — Schurke, brüllte der Postmeister, ein breitschultriger, aus grobem Holze gehauener Mensch, Du hast den Zoll verfahren! Die übrigen Passagiere murrten laut und stellten sich um den Juden her. — Ich Habs nicht gewußt! sagte der Jude mit einem Lächeln, das seinen inneren Ärger verbergen sollte. Aber der Grobian glaubte, er lache ihn aus und ballte schon die Faust, um ihn vor die Brust zu schlagen, als sich ein Passagier mit geballten Fäusten vor den Juden stellte und dem Postmeister eine Gegenpantomime machte. Wir übrigen gaben auch unser Wort dazu, und der Postmeister spannte gelindere Saiten auf. Endlich kam es heraus, daß sich bas Zollamt, welches der Jude überschlagen hatte, gerade in dem Dorfe befand, in welchem wir jetzt waren, und daß wir überhaupt auf dem von dem Postillon gefahrenen Wege nicht daran vorbeigekommen waren. Was konnte nun der arme Jude dafür? Sie werden wissen, daß die Rechte der Juden als Menschen zuerst wieder von Berlin aus in Anregung gebracht worden sind. (Der Verf. denkt hier an die Schriften und Anstrengungen von Moses Mendelssohn und Dao,d Friedlaeuder.) Herrliche Bücher werden dort geschrieben, die das Herz jedes Menschenfreundes mit der frohen Erfahrung erfüllten, daß auch dieses unglückliche Volk endlich in die Rechte der Menschheit eingesetzt werden würde; und nun vergleichen Srel so schreibt man in Berlin, so handelt man in H . . . (gemeint ist wohl das Dorf

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