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Im deutschen Reich · 1908-01-01 · Heft 1 (Januar 1908) · p. 55

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 1 (Januar 1908)
Article
L. L. Ingolstadt
Date
1908-01-01
Page
55 (sequence 2)
Language
German
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Briefkasten der Redaktion. 65 NuAs gesagt: „Was es bietet, ist keineswegs herzerquickender jüdischer Humor, sondern eine Sammlung zum teil neuer, zumeist aber uralter Anekdoten, die entweder von abgefallenen Juden zur Verhöhnung ihrer früheren Glaubensgenossen erfunden oder von durch die Unfreiheit auf ein niedriges Kulrurniveau herabgedrückten Juden in bitterer Selbüironie ersonnen und weiter erzählt worden sind, um schweres Leid erträglicher zu machen/" Dies gilt in noch höherem Grade von dem im Verlage von Hermann Seemann Nachfolger in Berlin erschienenen „Schabbes Schmus". Unter den deutschen Juden wird sich nicht einmal ein Bettler finden, der an Verlumpiheit den in diesem Buche geschilderten Schnorrern gliche, noch weniger einKaufmann, dessen geschäftliches Verhallen irgendwie an die gesailderren, angeblich humoristisch auszufassenden beirügerischen Geschäftsleute erinnerte, oder gar eine Ehefrau von so lockerer Gesinnung oder ein Rabbiner von dem niedrigen Bildungsgrad, wie die Liedlmgsfiguren des anonymen Herrn Chaim Jossel. Die von ihm für seine Karrikaturen gewählten Namen deuten zwar darauf hin, daß er Typen aus „Halbasien" schildern wollte, aber selbst dort gehören sittlich so tiesstehende Juden zu den Ausnahmen, und auch diese eignen sich in ihrer bittern Armut und tiefen Unwissenheit mehr dazu, Mitleid als Heiterkeit Zu erwecken. Wer als Jude diese Enterbten des Schicksals als jüdische Typen schildert und sie zum Gegenstand der Belustigung Zu machen bestrebt ist, beschmutzt sein eignes Nest, und wer sich als Jude daran wirklich belustigt, der ist mindestens bedauernswert! Dr. M. in B. Gewiß ist die Konfessionalisierung auf diesem Gebiete sehr bedauerlich, aber wenn Herr Geh. San.-Rat Dr. Michaelis in Bad Rehburg nur einen christlichen Assistenten wünscht, so läßt sich nichts dagegen tun. Ihre Patienten sind ja übrigens nicht auf Herrn Or. Michaelis angewiesen, da in Bad Rehburg noch andere AerZte tätig sind.

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