Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 11 (November 1907)
- Article
- Hannover
- Date
- 1907-11-01
- Page
- 655 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 655 wir halten es für eine Schmach, daß ein Ort von 5000 Christen, in dem nur 2 israelitische Familien wohnen, sein höchstes Ehrenamt an einen Israeliten vergibt.^ Der Kaufmann Neuberg ist trotzdem mit 65 Stimmen gewählt worden, wahrend der antisemitische Kandidat, Hofbesitzer Scheilke, es nur auf 16 Stimmen brachte. X Mannheim, 6, Oktober. Ein junger Mann, der in einer hiesigen Eisenhandlung erst als Reifender, dann als Verkäufer ungestillt war, hatte sich im Geschäft, trotzdem seine beiden Chefs Juden sind, am 12. August einem Kunden und dem anderen Personal gegenüber antisemitische Redensarten gestattet und war deshalb mit sofortiger Wirkung entlassen worden. Darauf verklagte er seine jüdischen Chefs auf Zahlung des Gehalts vom Entlassungstage bis zum 30. September im Betrage von 245 Mark. Nachdem im ersten Termin vor dem Kaufmannsgericht der Verkäufer zur Zurücknahme seiner Klage nicht zu bewegen war, ist kürzlich eine abermalige Klageabweisung erfolgt, weil das Gericht der Ansicht war, daß das Verhalten des Klägers seine Prinzipale zur sofortigen Entlassung vollständig berechtigte. V Wien, 8. Oktober. Unter Führung des Reichstagsabgeordneten I)r. Ofner sprach der Vorstand des 1. österreichischen Rechtsschutzverems beim Handelsminister Dr. Forscht vor, um das anläßlich der Blättern-Epidemie angeregte, teilweise auch schon durchgeführte Hausierverbot zu verhindern. Der Minister erklärte, daß die ganze Angelegenheit, soweit sie sein Ressort betreffe, ehestens zur Lösung gelangen werde. —- Der „Köln. Ztg.^ wurde darüber aus Wien berichtet: „Sie Ausschüsse der Stadtbezirke, wo die Pocken zahlreicher auftreten, namentlich des Quartiers Favoriten, haben jeden Hausierhandel innerhalb dieser Bezirke sofort verboten. Das sind dieselben Ausschüsse, die sich in beweglichen Klagen darüber ergehen, daß die Geschäftsleute ihrer Bezirke durch die Blatternfurcht der Kunden schwer leiden, daß niemand mehr von den Wäschern ihrer Bezirke seine Wäsche waschen lassen will, baß die armen Nähterinnen und Schneiderinnen, die in diesen Bezirken wohnen, als blatternverdächtig gemieden werden und fast schon am Hungertuche nagen, daß den Kindern verboten ist, in die Schule zu gehen, während man sie sich auf Straßen und Spielplätzen in Massen herumtreiben läßt, gleich