Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 11 (November 1907)
- Article
- Cassel
- Date
- 1907-11-01
- Page
- 652 (sequence 2)
- Language
- German
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652 In, deutschen Reich. gespannter Aufmerksamkeit den temperamentvollen Darlegungen gefolgt war, spendete am Schluß lebhaften Beifall. Einstimmig wurde die Begründung einer Ortsgruppe beschlossen. In deren Vorstand wurden außer den oben genannten vier Herren noch die Herren Hermann Blumenthal und Rudolf Ballin gewählt. Eine große Anzahl Beitrittserklärungen zum Central- Verein folgte. Möge der neuen Ortsgruppe Erfolg ihrer Tätigkeit beschieden sein! + Wiesbaden, 15. Oktober. Die hiesige Ortsgruppe des Central-Vereins hatte auf gestern Abend 8 V- Uhr die sämtlichen Mitglieder der beiden Gemeinden in den großen Saal der »Wartburg"' zu einer Versammlung geladen. Diese war außerordentlich gut besucht. Ueber 360 Personen — Damen und Herren — aus allen Ständen waren erschienen. Nachdem der Vorsitzende, Herr Benedikt Straus, in seiner Begrüßungsansprache Ziele und Organisation des Central-Vereins dargelegt hatte, ergriff der Redner des Abends, Herr Landtagsabgeordneter Di-. Cohn-Dessau das Wort zu seinem Vortrage: »Die Selbstverteidigung der deutschen Juden". In meisterhaft klarer, begeisterter und begeisternder Rede verwies er zunächst auf den hohen ethischen und sittlichen Gehalt des Judentums, aus die Erhabenheit der jüdischen Religion. Es sei unbedingt .nötig, in der Erziehung der Jugend darauf hinzuwirken, daß sie das Kleinod ihrer Religion erkennen und damit lieben lerne; sie müsse aber auch vertraut gemacht werden mit der ruhmvollen Vergangenheit unserer Gemeinschaft, die das Saatkorn der Kultur schon vor Jahrtausenden in die Welt getragen und selbst in den Zeiten des finstersten Mittelalters eine Trägerin der Wissenschaft und Bewahrerin der Ideale der Menschheit geblieben sei. Dann würde der Name »Jude" unsere Reihen wieder mit gleichem Stolze erfüllen, den wir bei dem Gedanken empfinden, Deutsche zu sein. Und das sei die Losung des Vereins: »Gut deutsch allewege — aber auch gvj jüdisch zugleich." Beides bedingt in erster Linie Wahrhaftigkeit. Fort drum aus unserem Verkehre, aus unseren Kreisen mit jenen, die äußerer Vorteile willen einen Glaubenswechsel ohne innere Ueberzeugnng nicht scheuen. Der Redner führte weiter aus, wie wir in Deutschland trotz aller gesetzlichen Gleichheit, noch weit entfernt sind von einer vollkommenen Gleichstellung mit unseren christlichen Mitbürgern,