Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 11 (November 1907)
- Article
- Frankfurt a. M.
- Date
- 1907-11-01
- Page
- 650 (sequence 2)
- Language
- German
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650 Im brutschen Reich. qualifiziere. An jener Bemerkung Kritik zu üben, sei Baum berechtigt gewesen. Dem Landeck wurden die Kosten der Klage auferlegt." Das Stöcker-Blatt »Das Reich" meint nun, die Frankfurter Juden würden den Rechtsanwalt vr. Reichard als bösen Antisemiten hinstellen und auf alle mögliche Weise zu schädigen suchen. Darin irrt sich das Stöckerblatt. Die Juden können den Herrn Dr. Reichard niemals so schädigen, wie er fich durch seine unduldsame Aeußerung selbst geschädigt hat. Die Lorbeerkränze, die man ihm in dem antisemitischen Kölner Gasthose am Frankfurter Bahnhofe gewunden hat, bezw. noch winden wird, werden ihm aber von jedem Juden gegönnt, und von seinen christlichen Kollegen wird ihn wohl keiner darum beneiden! Breslau, 12. Oktober. Die »Breslauer Morgenzeitung" äußert sich über den genialen Vorschlag der »Staatsbürger- Zeitung", jüdische Regimenter zu bilden, wie folgt: »Erst hatte sie das als einen herrlichen antisemitischen Witz gemeint, dann gefiel es aber ihr so, daß sie ihn ernsthaft zum Ausgangspunkte eines Vorschlages machte, dahin gehend, daß jeder Jude, der überhaupt nicht, also auch nicht in speziell jüdischem Regimentsverbande dienen wolle, sich mit Geld solle loskaufen können. Würde der Vorschlag der „Staatsbürger-Zeitung" angenommen — wir sprechen davon als einem Problem —, dann würde Deutschland mit der Türkei auf eine Stufe gestellt werden. Denn in der Türkei, wo wie bei uns der militärische Dienst für alle obligatorisch ist, unterwirft man der Militärpflicht nicht die — Christen. Man ist nämlich dort der Ansicht, daß durch das christliche Element das ganze Heer geschwächt werden könne. Die »Staatsbürger-Zeitung" ist so liebenswürdig, die Juden nur für eine »nicht sonderliche große Zierde des Heeres" zu erklären, zu konstatieren, daß ein viel größerer Prozentsatz Juden untauglich zum Militärdienst befunden werde, während die Türken alle Christen für militärisch untauglich und sogar als schädlich erklären. Selbst die „Staatsbürger-Zeitung" und mit ihr gewiß alle christlichen wie heidnischen Antisemitenblätter werden finden, die Türken seien geradezu blödsinnig, daß sie Christen aus solchen törichten, ganz und gar unhaltbaren, unbeweisbaren und durch die Tatsachen unendliche Male widerlegten Gründen von der Wehrpflicht ausschließen. Sie werden sicher alle mit uns der Ansicht sein, daß