Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 11 (November 1907)
- Article
- Erfurt
- Date
- 1907-11-01
- Page
- 649 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 649 sagen mir, ob ich hier noch vor der Kaufmannsgerichtswahl, die am 10. 10. stattfindet, irgend eine Eingabe machen könnte, um die Aufmerksamkeit auf uns zu lenken." Also nicht auf die Interessen der Handlungsgehilfen kommt es diesem antisemitischen Verbände an, sondern auf seine egoistischen Verbandsinteressenl „Um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken/ geschehen die sozialpolitischen Eingaben. In dem Briefe an K.heißt es dann weiternachdem sich Schambach weidlich lustig gemacht hat über den „kleinen Cohn bei den Wahlen": „Grünthal (der Referent) ist aber eine lungenschwindsüchtige Nummer. Uebrigens ist der Kerl seiner eigenen Angabe nach ein Jude". (Die Briefe sind vom 28. 9. 07 datiert) Die Redaktion der „Tribüne" bemerkt hierzu: „Wir müssen gestehen, daß uns eine derartige Gefühlsroheit noch selten vorgekommen ist." — Was können jüdische Firmeninhaber von Angestellten erwarten, die einem Verbände angehören, dessen Leiter solche Gesinnungen hegen? Frankfurt a. M., 16. Oktober. Gelegentlich der Wahlen zum Kaufmannsgericht fand hier im Kompostellhof eine Versammlung der deutschnationalen Handlungsgehilfen statt. Nach dem Bericht eines antisemitischen Blattes war in der Diskussion ein Redner im Kaufmännischen Vereine von dem Kaufmann Landeck mit dem Zuruf: „Halts Maul" und einer weiteren nicht verständlichen Bemerkung unterbrochen worden. Die „Kaufmännische Zeitung" berichtete über jene Versammlung und erwähnte dabei, daß Landeck einen Redner mit ungezogenen Redensarten unterbrochen habe. L'andeck erhob hierauf Privatklage gegen den Redakteur der „Kaufmännischen Zeitung", Richard Baum, der vom Schöffengericht zu 20Mk. Geldstrafe verurteilt wurde. In der Berusungsverhandlung vor der Strafkammerwurde festgestellt, daß das Statut des Deutschnationalen Handlungsgehilsen-Verbandes, dem Landeck angehört den Passus enthält, daß Juden nicht Mitglieder des Verbandes werden können. Während des Plaidoyers der Vertreter Landecks bemerkte Rechtsanwalt Reichard, daß es ein Glück sei, daß es noch Verbände gebe, die Juden ausschlössen. Das Gericht hob das Urteil des Schöffengerichts auf und sprach den Redakteur Baum frei, weil es erwiesen sei, daß Landeck die Aeußerung getan habe, die sich als eine ungezogene Redensart