Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 11 (November 1907)
- Article
- Professor Ludwig Traube
- Date
- 1907-11-01
- Page
- 621 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 621 liehen wurde und zwar zunächst ohne Besoldung! Hier mögen die Worte angeführt werden, mit denen Voll die Wirkung dieser Zurücksetzungen auf die Gemütsstimmung des Betroffenen schildert: „Genug von diesen unerquicklichen und für Traube so aufreibenden Kämpfen. Es kann ja kein Zweifel fein, daß Traubes jüdische Abstammung eine gewisse Rolle dabei gespielt hat. Es hat lange gedauert, bis die Verehrung, die auch katholische Gelehrtenkreise, namentlich hervorragende Benediktiner für Traube empfanden, die Abneigung der herrschenden Partei gegen seine Ernennung genügend abgeschwächt hatte. Ueber die Zumutung, durch einen Uebertritt ohne Ueberzeugung seine Laufbahn zu erleichtern, hat Traube wohl kaum je ein Wort verloren. Dem orthodoxen Judentum stand er fern, wenn ihm auch fein konsequenter Monotheismus sympathisch, wenigstens verständlich war. Aber in der Rassenfrage haben bei ihm die Erinnerungen an die leidenschaftliche Berliner antisemitische Bewegung zu Ende der 70 er Jahre lange nachgewirkt und ihn mit Trauer und Erbitterung erfüllt." „Die Vorstellung, als ob er, der in Goethe und Lessing seine Lebensführer suchte und seine Arbeit der Geschichte der europäischen Kultur geweiht hatte, sich nun seiner Abstammung wegen nicht mehr als gleichberechtigter Deutscher und Europäer fühlen sollte, verletzte ihn umso schwerer, da auch der Vater, auf den er stolz war, damals viel gelitten hatte." Ob nicht manchen seiner Gegner doch ein leises Gefühl der Scham beschleicht, wenn er sieht, wie ein vornehmer Geist unter Verkennung und Ungerechtigkeit gelitten hat? Umschau. tAiefbetrauert nicht nur von den Bürgern seines Staates, % sondern von dem gesamten deutschen Volke, wird der Großherzog von Baden, Friedrich I., der im 82. Lebensjahre, nach einer 55jährigen mustergiltigen Regierung, am 28. September sanft entschlafen ist. Diese allge-